Gleiwitzer Kreis Gleiwitz und der Gleiwitzer Kreis, Krieg, Opfer


Gleiwitz



  -  Einem Gleiwitzer
  -  Der Krieg und seine Opfer (Noch nicht fertig)
  -  DIE Kirche
  -  Gleiwitzer Glocken
  -  Ein Mitglied
  -  Gleiwitzer Menschen
  -  Ein verschwundener Löwe
  -  Der Mantel
  -  Der verschollene Ulan





Zum Gedenken
Stellvertretend für das Los vieler Gleiwitzer   -  die aus der alten in die neue Heimat kamen

In Memoriam
Georg Cich ( 28.12. 1930, Gleiwitz – 9.05. 2012, München)

Abschied vom geschätzten Fußballtrainer und Pädagogen
Am 16. Mai 2012 wurde Georg (Jerzy) Cich unter großer Anteilnahme auf dem Waldfriedhof in München beigesetzt. Obwohl viele Jahre vergangen sind hatten Ihn die Fans und Spieler des Sportvereins PIAST Gliwice/Gleiwitz mit einer Schweigeminute an jenem Tag vor einem wichtigen Spiel im eigenen Stadion geehrt. Am gleichen Tag ist ebenfalls für den Verstorbenen ein Trauergottesdienst in der St.Barholomäus-Kirche in Gleiwitz gehalten worden.
Bevor Jerzy Cich als Trainer, gemeinsam mit Jerzy Klejnot (Georg Kleinert), mit seinem geliebten Verein PIAST große sportliche Erfolge in der Zweiten Liga und beim Polen-Pokal (Puchar-Polski) feiern konnte, hatte er sich als Entdecker und Förderer von Fußballtalenten einen bleibenden Ruf erarbeitet.
Er beobachtete – wie auch ein weiterer Sportlehrer, Leszek Wyspiański - Straßenturniere, um Talente „herauszufischen“ und sie entsprechend fortzubilden. Das erfolgte vorwiegend in der Schule, in der Jerzy (so wurde sein Vornamen offiziell geschrieben) Cich als Lehrer angestellt war und zwar im Technikum Materiałów Ogniotrwałych (Technikum für Feuerfeste Stoffe) zu Gleiwitz an der ulica Jana 'Sliwki (eh. Hegenscheidtstraße). Zu seinen Schülern bzw. Zöglingen gehörten u.a. Włodzimierz Lubański, Jerzy Musiałek, Joachim Marx, Andrzej Buncol, Jerzy Apostel und Janusz Jonda.

Jerzy Cich zählte auch in den ersten Nachkriegsjahren zu den besten Tischtennisspielern unter den oberschlesischen Junioren.
Das erreichen mit PIAST des Endspiels im Polen-Pokal A.D. 1978 hielt er als seinen größten sportlichen Erfolg. Nach der Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1981 ist Georg Cich im Kontakt mit seinem Verein geblieben. Das PIAST-Abzeichen hatte Er lebenslang getragen. Der Vorstand des Vereins würdigte Ihn im Kondolenz-Schreiben als „einmaligen Menschen, unvergleichlichen Förderer der Jugend sowie Person, die außergewöhnlich stark mit dem Verein und der Stadt verbunden war“.
Der Lebensweg von Georg Cich ist vom Pfarrer Dr. habil. Jerzy Grzeskowiak während der Beerdigung in zutreffenden Gleichungen zusammengefasst worden.
Gerhard-Paul Fabian

Die zur Beerdigung von Pfarrer Grzeskowiak gesprochenen Worte sind es wert gelesen zu werden. Hier kommt man zu ihnen.

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100 Jahre St. Bartholomäus in Petersdorf


Die neue Petersdorfer St. Bartholomäus-Kirche blickt auf 100 Jahre ihrer wechselvollen Geschichte zurück. Am 14. Mai 1911 wurde sie durch Dr. Georg Kardinal Kopp, Fürstbischof von Breslau, feierlich konsekriert. Somit hatte sich das langjährige Streben nach einem Gotteshaus, welches der schnell wachsenden Zahl und Bedeutung der Gläubigen in diesem großem Stadtteil – mit Zernik und Schalscha – gerecht würde, in der Form eines imposanten neugotischen Bauwerkes verwirklicht. Die damaligen Gemeindemitglieder waren stolz auf ihre neuerbaute Kirche, die ihresgleichen in ganz Oberschlesien nicht finden konnte, und ihren Pfarrer, Josef Stryczek, dankbar,der das gigantische Vorhaben konsequent zum Erfolg geführt hatte. Den Gottesdiensten in der alten Kirche, deren Grundstein angeblich im XIII. Jahrhundert gelegt wurde, trauerte man nicht nach, da sich dort das Gedränge ins Unerträgliche gesteigert hatte, so dass der langjährige Organist, Hugo Erzepky, kaum noch die Hände über der Klaviatur bewegen konnte, und auch der Orgel – laut Überlieferungen – die Luft oft fehlte, weil die Blasewerk-Treter von den Balken verdrängt wurden.

Der Gedanke vom Bau einer neuen Kirche ist schon Mitte des XIX. Jahrhunderts ausgesprochen worden, in die Spendenkasse flossen die ersten Beiträge. Ernsthafte Verhandlungen mit dem Magistrat, dem seit dem 1. April 1897 Petersdorf zugeordnet war, wurden jedoch erst 1901 aufgenommen. Organisatorische Vorbereitungen zogen sich noch weitere sechs Jahre, bis im Herbst 1907 der erste Spatenstich vollzogen werden konnte. Die Pläne der Kirche stammten von Ludwig Schneider aus Breslau, einem sehr geschätzten Architekten, dem in jenen Jahren viele bedeutsamste Bauwerke in Auftrag gegeben wurden. Die Arbeiten, an denen sich viele Baumeister und Handwerker aus der Umgebung beteiligt hatten, wurden 1910 beendet. Es folgte die kunstvolle Ausstattung des Innenraumes. Den Hauptaltar sowie die Seitenaltäre hatte die Zerniker Firma Mrowiec- Meyer gebaut; die Altarbilder und Kreuzwegstationen sind in der Werkstatt des Breslauer Kunstmalers Best hergestellt worden. Die eindrucksvollen Glasmalereien mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament sowie mit Gestalten der Heiligen sind ein Werk des Regensburger Meisters Georg Schneider. Die Kosten dieser Fenster sind von bekannten Petersdorfer Familien – u.a. von Familie Galbierz – mitgetragen worden; die Namen der Spender wurden unter bzw. auf den Fenstern eingetragen. Der Tischlermeister Golz, damals Hegenscheidtstraße (ulica Jana Śliwki), aus dessen Werkstatt die Bänke stammen, spendete die äußeren Türen des Haupteinganges. Viele weitere Arbeiten wurden meisterhaft durchgeführt und gemäß dem Zeitplan beendet. So konnten am 14. Mai 1911 Tausende die Einweihung der neuen- St. Bartholomäus-Kirche feiern.

Die dramatischen Ereignisse des XX. Jahrhunderts sind an der Gemeinde nicht spurlos vorbeigegangen. Viele Männer hatten ihr Leben in den Jahren 1914 -1918 und auch in der Zeit der nationalen Auseinandersetzungen, insbesondere 1921, verloren. Auch sind die Glocken zum Opfer des Ersten Weltkrieges gefallen. Am Kriegerdenkmal, welches 1925 neben der Kirche errichtet wurde, sind Hunderte von Namen eingetragen worden. Im gleichen Jahr konnte man auch wieder den Klang der neuen Glocken hören, bis die damaligen Herrscher sie im Jahr 1943 erneut vom Turm holten.
In dieser zweiten „Zeit ohne Glocken“ waren hervorragende Seelsorger in der Gemeinde tätig, u.a. Pfarrer – seit 1938 – Harald Weinert, Kuratus Max Czerwensky und Pater Johannes Leppich. Diese Geistlichen begleiteten die Menschen während der Wochen und Monate der Russenzeit. Allein im Januar 1945 wurden 98 Menschen in der Gemeinde erschossen. Männer im Alter von 17 bis 50 Jahre sind Mitte Februar zu Zwangsarbeiten in die Sowjetunion verschleppt worden. Das war die berüchtigte Internierung der deutschen Männer gewesen.
Die Aufgaben der Geistlichen in jener Zeit könnten wie folgt definiert werden: Die Toten segnen, die Hinterbliebenen trösten und schützen. Unvergessen ist auch der Einsatz der Hedwigschwestern, insbesondere der Schwester Amabilis, bei der Betreuung der Kranken geblieben.

Die Kirche ist während des Angriffes der Roten Armee auf die Stadt Gleiwitz, vom 23. auf den 24.. Januar 1945 beschädigt worden. Einschüsse durchlöcherten die Wand, das Gewölbe und den Turm oberhalb der Uhren; die bunten Glasfenster von der Seite zur Bernhardstraße /ulica Bernardyńska wurden zeschlagen, das Hauptportal lag in Trümmern.
Wenige Wochen später wird der Innenraum der Kirche durch den Einsatz von Jugendlichen und Kindern von Schutt und Scherben befreit. Schuttstücke sind von Hand zur Hand aus der Kirche transportiert worden. Menschenketten brachten auch Ziegel- und Dachsteine über Leitern auf Podeste in der Höhe der Einschüsse. Im Mai 1945 - schreibt Pfarrer Harald Weinert – ist mit der Beseitigung der Schäden begonnen worden; bis Ende Juli werden die Arbeiten im Gewölbe, an den Seitenmauern sowie bei der Rekonstruktion der Kreuzigungsgruppe über dem Haupteingang geführt. Die Ersatzziegeln sind über Jahrzehnte deutlich erkennbar geblieben. In die Fenster – in vier große und zwei kleine sowie in die Rosette über dem Seiteneingang werden viereckige bunte Ersatz-Glasscheiben eingesetzt. Zuvor wird noch Pater Johannes Leppich die Kinder aus dem Jahrgang 1937 für die Erstkommunion im April zum letzten Mal in Deutsch vorbereiten.
Im Sommer 1945 melden sich die ersten polnischen Geistlichen, die Jesuiten Patres Stefan Juszczak und Kondziołka im Pfarrhaus. Pater Juszczak wird im Laufe des Jahres die Jugendseelsorge übernehmen – er führt die Schulgottesdienste, den Religionsunterricht in Schulen, und gründet den Mädchenchor. Er wird auch viele Ausflüge für die Kinder und Jugendlichen organisieren, nicht nur nach Tschenstochau, Piekar oder Panewniki aber auch nach Krakau und in die Hohe Tatra. Nach der Verbannung der Religion aus den Schulen wird Pater Juszczak den Religionsunterricht in der Kirche fortsetzen. Seine, für die Gemeinde zugängliche, Bibliothek umfasste viele polnische Bücher, Bestseller aus Vorkriegszeit – von gern gelesenen Autoren, wie Tadeusz Dołęga-Mostowicz, Helena Mniszkówna bzw. Maria Rodziewiczówna – die offiziell, aus ideologischen Gründen, aus dem Handel und öffentlichen Büchereien entfernt wurden.

Pfarrer Harald Weinert darf die Gemeinde bis zu seiner Übersiedlung im Jahr 1958 führen. In diesen Zeitabschnitt fällt auch noch der Bau der Lourdesgrotte (1950) sowie die Ausmalung des Innenraums (1956). Als Nachfolger ist Pater Stefan Juszczak eingesetzt worden. Die Pfarrei gehört seitdem den Jesuiten aus Krakau, die im Jahr 1960 neue Glocken, zu den zwei zurückgebliebenen, anschafften. In die Kirche wird das aus Ostpolen stammende Gnadenbild der „Mutter Gottes aus Kochawina (Matka Boska Kochawińska)” gebracht. Breite Zustimmung werden die Andachten, vor diesem Bild an Donnerstagen finden. Einmalig war die musikalische Umrahmung dieser Andachten gewesen, welche maßgeblich vom damaligen Organisten und Chorleiter, Alfons Puscher, gestaltet wurde. Nach Pater Juszczak werden noch weitere sieben Jesuiten-Patres, unter ihnen der gebürtige Petersdorfer Piotr (Peter) Skowronek, die Funktion des Pfarrers ausüben.

Im Jahr 1994 werden die Jesuiten die neue Gemeinde in der Siedlung hinter dem Waldbad (Osiedle Kopernika) übernehmen, wo auch die Andachten vor dem Gnadenbild fortgesetzt werden. Die St.Bartholomäus-Kirche dagegen wird im Rahmen der strukturellen Reformen dem neugegründeten Bistum Gleiwitz zugeordnet.
Pfarrer Andrzej Pluta, der die Gemeinde im Jahr 1994 übernahm, hatte sich als Ziel, angesichts der großen Jubiläen, eine gründliche Renovierung des gewaltigen Gotteshauses gesetzt. Schon zur Jahrtausend-Wende und in Rahmen der Vorbereitungen zum 90. Jubiläum sind umfangreiche Arbeiten eingeleitet worden. Der Innenraum bekam einen neuen Anstrich. Das Weiß – so sollte man annehmen - entspricht dem Stil der Neugotik, die eigenartige Helligkeit begrüßt den Besucher und vergrößert den Raum. Die Altäre sind systematisch renoviert worden, sowie sämtliche hölzerne Elemente, die Gefährdungen verschiedener Art ausgesetzt waren. Neue Fenster werden die provisorischen Verglasungen aus dem Jahr 1945 ersetzen. Von den realisierten Maßnahmen wird die Gemeinde zweifellos über viele Jahrzehnte profitieren.
Zum 90. Jubiläum ist die Grabplatte vor dem Josefaltar – deren deutsche Beschriftung 1945 ausgemeißelt wurde – von einer neuen zweisprachigen ersetzt worden. In Deutsch ist somit festgehalten worden, dass an dieser Stelle: - „Pfarrer Josef Stryczek, Erbauer dieser Kirche, 22.1.1851 – 22.8.1919” - beigesetzt wurde. Nach vielen Jahren sind ebenfalls die Namen der Petersdorfer, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben gelassen hatten, wieder lesbar auf dem Denkmal gemacht geworden.

100 Jahre Jubiläum feiert auch der Kirchenchor, der gegenwärtig unter der Bezeichnung Laudemus Mariam zu den überregional bekannten Chören zählt und viele Veranstaltungen musikalisch bereichert. Seinen ersten Auftritt hatte dieser Chor unter der Leitung seines Gründers, dem Organisten Hugo Erzepky, zum Fest der Kirchenweihe am 14. Mai 1914. Hugo Erzepky wird den Chor bis kurz vor seinen Tod im Jahr 1953 führen. Zu seiner Zeit sind sonntags um 7,30 Uhr lateinische Messen, insbesondere nach 1945, zu Gehör gebracht worden, was ein Hauch von Heimat den älteren Petersdorfern vermittelte. Seine Nachfolger, beginnend von Alfons Puscher, hatten das künstlerische Niveau des Chores kontinuierlich gesteigert.
Am 28. August 2011 feierte die Gemeinde der St. Bartholomäus-Kirche ihr Patronatsfest und das 100 Jahre-Jubiläum. Am Hauptgottesdienst nahmen zahlreiche Priester teil, die aus dieser Gemeinde stammen bzw. hier tätig waren sowie viele ehemalige Gemeinde Mitglieder und Gäste. Vertreten waren ebenfalls Vertreter des legendären Templer-Ordens. An sie richtete Hauptzelebrant, Bischof Gerhard Kusz, folgende Worte: - „Mit ihnen hat das Christentum und die Liturgie auf diesen heiligen Hügel begonnen; für die Jahrhunderte des religiösen Lebens danken wir heute“.
Gerhard-Paul Fabian

Quellen:
Flutak M.: Templariusze z Szobiszowic. Stulecie św. Bartłomieja w Gliwicach (Die Templer aus Petersdorf. Hundert Jahre St. Bartholomäus in Gleiwitz, GOŚĆ GLIWICKI vom 4.09.2011
Rychlik-Nawrat J.: Parafia św. Bartłomieja w Gliwicach, 1911 -2001.
Schmidt J.: Kościoły Ziemi Gliwickiej, Teil I, Gliwice 1998
Weinert H.: Kurzgefasste Chronik der St. Bartholomäus-Kirche in Gleiwitz, Stadtteil Petersdorf, anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Pfarrkirche. Gleiwitzer...Heimatblatt 1961, Heft 5, S. 37
Photo Patronatsfest: Gość Gliwicki, 4.9.2011


Bilder: (Kommen....)

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Jetzt läuten sie in Lehndorf

Gegossen wurden sie im XVIII Jahrhundert und taten ihren Dienst in der Gleiwitzer Allerheiligenkirche. Doch im Krieg...

Ich erinnere mich an die herausgebrochenen Fensterumrandungen der schmalen Fenster hoch oben auf dem Turm unserer Pfarrkirche, St. Bartholomäus. Die herausragenden Balken eines provisorischen Kranes. Und die auf dem Erdboden stehenden Glocken. So mag es auch in der Allerheiligenkirche zugegangen sein. Die Glocken als Rohstoff für Granaten, Kriegsmaterial überhaupt. Das war im Jahre 1942.

Doch die Fügung, ich will hier nicht unseren Herrgott bemühen, verschonte die Glocken, welche in Hamburg zwischengelagert waren. Denn es war eher die Unzulänglichkeit von Menschen, die Übereifrigkeit bei der Beschaffung von Rohstoffen für den Krieg.
Oder war es doch das Verantwortungsbewußtsein von gläubigen Menschen, welches den Glocken zum Überleben verhalf? Jedenfalls überlebten sie uneingeschmolzen den Krieg und wurden nach dem Krieg inventarisiert und neu erbauten Kirchen im damaligen Westdeutschland zugeteilt.
So auch die drei Glocken in die Heilig Geist Kirche in Lehndorf, einem Stadteil von Braunschweig. Es ist die große Glocke mit einem Gewicht von über 1,6 Tonnen und einem Durchmesser von 145 cm. Die kleineren messen nur 112 und 90 cm. Zusammen bringen sie den richtigen Klang und die richtige Stimmung.



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Die Gefühle eines Menschen

Komtur Bernhard Ritter von Radek - Ordensmitglied des 1469 gegründeten Ordo Sancti Georgii
Auch ehemaliges Mitglied des Gleiwitzer Kreises schrieb in den neunziger Jahren folgendes Gedicht.

Gleiwitz

Gleiwitz, Heimat, unvergessen,
die ein böses Schicksal traf;
wer kann meinen Schmerz ermessen,
der mich in der Fremde traf!

Gabeljürge, hör' mein Klagen,
sag's den Faunen vorm HO:
Ich werde in diesen Tagen
sehnsuchtskrank doch nicht mehr froh.

Alle Kirchen, Wilhelmstraße,
Stadttheater und der Ring -
wer ahnt heut in welchem Maße
mein junges Herz an Gleiwitz hing!

Kunstdenkmale ohne Gleichen,
Reichsbahnwerk und OHW -
Dir zu ewigem Glanze reichen,
den ich im Geiste vor mir seh'.

Warum wurde ich vertrieben?
Warum mußt' ich fort von Dir?
Gleiwitz werd' ich immer lieben,
Heimatstadt, das schwör' ich Dir!



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Gleiwitzer Menschen

Jacek Schmidt - ein gleiwitzer Historiker und verdienter Heimatforscher

Geboren wurde er in Gleiwitz, in der Familie des Architekten und Baumeisters T.S. Schmidt. Nach dem Abschluß der Grundschule, kontinuierte er die Ausbildung in Richtung "Handel und Verwaltung" an der Berufsschule und danach besuchte er das V. Lyzeum (orig. V Liceum Ogólnoksztalcace) in Gleiwitz. Vor dem Studium diente Jacek Schmidt im Selbständigen Ausbildungs-Batalion für Panzereinheiten (Samodzielny Szkolny Batalion Wojsk Pancernych) in Sztum. Den Wehrdienst beendete er als Panzerführer und Unteroffizier. Während des Militärdienstes begann sein Abenteuer mit dem Leistungssport. Er wurde Divisionsmeister im Gewichtheben und Regimentsmeister im Schießen. Nach der Entlassung war er lange Jahre Mitglied der Erstliga-Mannschaft von Górnik Zabrze im Gewichtheben und erreichte mit diesem Team die Finalkämpfe um die polnische Meisterschaft in Breslau. Über 11 Jahre war er im freiwilligen Wasser-Rettungsdienst (WOPR) aktiv.
Nach dem Abitur begann er sein Studium an der krakauer Sporthochschule (AWF). Als sich jedoch seine Verletzung, aus der Zeit des Trainings in Hindenburg, wieder bemerkbar machte, gab er das Sportstudium auf und absolvierte mit Erfolg die Aufnahmeprüfungen fürs Jurastudium an der Lubliner Katholischen Universität (KUL) und fürs Germanistik-Studium in Breslau. Das war für ihn zugleich eine Zeit der materiellen Nöte, weil er nach dem Tod des Vaters für den Unterhalt der fünf jüngeren Geschwister sorgen mußte. Da ihm die Hochschulen ein Stipendium untersagt hatten, war er zum Abbruch dieser Studien gezwungen.
In seiner Heimatstadt nimmt Jacek Schmidt das Studium an der Fakultät für Geschichte der Hochschule für Lehrkräfte (Studium Nauczycielskie) auf. Nach dem Abschluß wird er als Geschichts- und Sportlehrer an der Schule Nr. 6 eingestellt. Gleichzeitig studiert er Geschichte an der Schlesischen Universität in Kattowitz. Dort wird er auch unter Leitung der Professoren J. Pachonski und H. Kocój promovieren. Beruflich war Jacek Schmidt mit folgenden Schulen verbunden gewesen, und zwar mit: Grundschule (Szkola Podstawowa) Nr. 15, Technikum Mechaniczne, Bergbauschule der Sosnitza-Grube, Berufsschule von Montochem und dem I. Lyzeum.
Jacek Schmidt engagierte sich vorbehaltlos, bei der freien Gewerkschaft NSZZ Solidarnosc seit derer Gründung. Nach dem Ausrufen des Kriegszustandes war er Repressionen und Verfolgungen ausgesetzt; in seiner Wohnung wurde Feuer gelegt. Vielmals wurde er verhört, auch eine Zwangsversetzung in eine andere Schule ist ihm nicht erspart geblieben. In Folge dieser "Behandlungen" hatte er ein Jahr gebraucht, um seine Gesundheitsschäden einigermaßen zu beheben.
Im Ruhestand befaßt sich Jacek Schmidt weiterhin mit den Fragen der oberschlesischen Geschichte und setzt die Akzente auf die Geschichte des Kreises und der Stadt Gleiwitz. Er lebt sehr bescheiden; mit seinen Publikationen verdient er kein Geld; es fehlen ihm die nötigen Mittel für eine qualitative Aufwertung der Ausgaben. Seine Ausführungen sind an die Jugend sowie an Menschen, die sich für die Geschichte der eigenen Region interessieren gerichtet. Außer zahlreichen Artikeln, u.a. in gleiwitzer und kattowitzer Jahrbüchern, hat er 34 Bücher verfaßt und herausgegeben. Als Beispiele könnten u.a. folgende gleiwitzer Monografien hervorgehoben werden, nämlich: "Sieben Jahrhunderte Schulwesen in Gleiwitz (7 wieków szkolnictwa w Gliwicach)", "Geschichte des Gesundheitswesens (Historia sluzby zdrowia)", "Theaterleben in Gleiwitz. 1796-1944 ( Zycie teatralne w Gliwicach. 1796-1944)", "Das Musikleben in Gleiwitz. 1750-1944 ( Zycie muzyczne w Gliwicach. 1750-1944)", "Die Geschichte der Wasserversorgung in Gleiwitz (Historia problemów wodnych w Gliwicach)" sowie "Die Geschichte der Gleiwitzer Sportbewegung. 1797-1944 (Poczatki i rozwój sportu w Gliwicach. 1797-1944))" in zwei Bänden, die der Autor dem Sportverein PIAST widmete, dem Verein in dessen Jugendmannschaft er zwei Saisons spielte. Jacek Schmidt ist ebenfalls Autor zweier umfangreicher Bücherreihen: "Die Kirchen der Diözese Gleiwitz. (Koscioly Ziemi Gliwickiej)" und "Mit Gleiwitz verbundene Künstler (Artysci plastycy zwiazani z Gliwicami".*
Jacek Schmidt hat zwei Kinder; Sohn Dominik Jacek ist Professor an einer renommierten Hochschule in Kalifornien (USA); Tochter Dominika studiert Pharmakologie.
*) Die zweisprachigen Titel stammen vom Autor
"Nowiny Gliwickie" Nr 2 vom 11.01.2006


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Ein verschwundener Löwe

(Oder: Das Rätsel um den schlafenden Löwen)
Des Rätsels Lösung demnächst unter "Aktuelles" (April 2008)

Obwohl Gleiwitz nicht Lwow (Lemberg, auch wörtlich: "der Löwen", v.Ü.) ist, liegt für viele Einwohner die Assoziation mit dem König der Tiere, besser mit den Löwen nicht fern. Genauer gesagt mit drei Löwen, nämlich ihren in Eisen gegossenen Ebenbildern. Zwei von ihnen, aus dem Meißel von Johann Gottfried Schadow, liegen stolz vor dem Gleiwitzer Palmenhaus in der ehemaligen Promenade, während der dritte – ein Werk von Theodor Kalida – stolz von seinem Postament vor dem Gleiwitzer Museum herabschaut. Nicht viele der Gleiwitzer erinnern sich daran, daß noch bis in die 60-er Jahre ein weiterer Löwe - der „schlafende Löwe“ - auch ein Werk von Kalida, die Stadt schmückte. Dieser Löwe schlief an mehreren Stellen der Stadt, bis er plötzlich für immer aus dem Stadtbild verschwand.

Die Geschichte des schlafenden Löwen reicht in die Hälfte des XIX. Jahrhunderts. Im Oktober 1846 stattete der preußische Herrscher, Friedrich Wilhelm der IV, der Stadt einen Kurzbesuch ab. Er besuchte u. a. die Königliche Eisenhütte, in deren Hof der eben gegossene Löwe schlummerte. Der König war enzückt, so von der Schönheit der Skulptur wie auch der Gießerkunst. Er beschloß, daß der Löwe die Grabstätte der 65 preußischen Soldaten zieren soll, welche während der napoleonischen Kriege in Gleiwitzer Lazaretten starben und hier begraben wurden. Der König entschloß sich das Denkmal zu bezahlen und auch für die Kosten der Umzäunung und den Bau des Objektes aufzukommen. Die feierliche Enthüllung des Denkmals fand drei Jahre später, im Jahre 1849, ganau am Tage des königlichen Geburtstages statt. Es stand auf dem heute nicht mehr existierenden Friedhof, unweit des Gleiwitzer Bahnhofes, fast vis-a-vis der bis heute erhaltenen jüdischen Begräbnisstätte auf der Löwenstraße, welche seit jener Zeit ihren Namen trug (heute besteht sie nicht mehr).

Zum Ende des XIX. Jahrhunderts, beschloß man im Zuge des Stadtausbaues die Auflösung dieses Soldatenfriedhofes. Das Grab mit dem das Denkmal zierenden Löwen verlegte man in die gerade entstehende Promenade. Im Jahre 1980 wurden die sterblichen Überreste der Soldaten nochmals exhumiert, sie fanden ihre neue Bleibe zusammen mit dem Denkmal an einer anderen Stelle der Promenade, nämlich im Zusammenlauf der Miethe- und Mentzelstraße (ul. Berbeckiego und ul. Sienkiewicza).

Schlafender Löwe
Der Löwe auf einer alten Postkarte

Eine feierliche Neubeerdigung im Beisein von Vertretern dreier Religionsgemeinschaften: einem katholischen Priester, einem evangelischen Pfarrer und einem jüdischen Rabbiner fand statt.

Das Denkmal überstand glücklich die nächsten 55 Jahre. 1945 war der Löwe Zeuge des Einmarsches sowjetischer Truppen in die Stadt, welche sich aber zum Glück nicht für das gegossene Denkmal interessierten und es so einer Verwüstung entging. Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn die Rote Armee länger die Stadt regiert hätte; denn viele der deutschen Denkmäler wurden mit Schweißbrennern zerschnitten um als Schrott in den Hütten der fernen Sowjetunion zu landen. So geschah es zum Glück hier nicht. In Gleiwitz faßte die polnische Admninistration Fuß, die es sich u. a. zur Aufgabe gemacht hatte, die Stadt möglichst schnell zu polonisieren. Damit verbunden die sogenannte „Entdeutschungsaktion“. Zuerst entfernte man vom Postament des Denkmals alle deutschen Inschriften und entschied, dem Löwen eine anderen Platz zuzuweisen. Kurz sah man ihn noch in der Nähe des Museums auf der Niederwallstraße, wo schon der zweite Löwe von Kalida stand. Jedenfalls unterlag der Löwe jetzt der Obhut der Grünabteilung der Stadtverwaltung. Aber in den sechziger Jahren verschwand der Löwe plötzlich. Diese Angelegenheit ruft bis in die heutigen Tage Polemiken und Streit hervor. Seiner Zeit erzählte man sich, daß der Löwe in einem der Warschauer Parks gesichtet sein sollte. In den achziger Jahren wiederum sagte man, daß er aufgrund einer Anweisung des ZK der PZPR (Vereinigte Polnische Arbeiterpartei) einem Badeort auf der Krim, in welchem sich die Bonzen der verbrüderten kommunistischen Parteien erholten, geschenkt worden war. Auch Vermutungen, daß der Löwe die Privatresidenz von jemanden aus der Nomenklatura schmückte, fehlten nicht. In jedem Fall braucht die Angelegenheit bis heute ihre Klärung – ist doch ein gegossenes Denkmal keine Nadel im Heuhaufen.

Die zweite, nicht geklärte Angelegenheit ist der Verbleib der unter dem Denkmal begrabenen preußischen Soldaten. Ich vertrete hier voll die Ansicht des dieses Thema untersuchenden Przemyslaw Nadolski, welcher schrieb: „...weil dieser Friedhof seinerzeits nicht exhumiert wurde, bleibt er auch angesichts der Rechtslage weiterhin ein Kriegsfriedhof und das verpflichtet die Verwaltung zu der Auszeichnung des Platzes wie auch der Obhut über ihn.“  In den achziger Jahren als in der Promenade Erdarbeiten durchgeführt wurden, konnte man in den Stein- und Erdhaufen, zwischen verrotteten Wurzelstücken auch menschliche Knochenreste finden. Es ist nicht bekannt, ob es die sterblichen Übereste der 1945-er Kriegsopfer oder der preußischen Soldaten waren.


Boguslaw Tracz
Übersetzung:   Karl Mosler

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Gleiwitzer Gelöbniswallfahrt auf St. Annaberg

Diese Wallfahrt hat ihren Ursprung im wundervollen Ereignis während des Dreißigjährigen Krieges. Damals, Mitte August 1626 wird die Stadt Gleiwitz von dänischen Truppen der protestantischen Union unter Graf Ernst von Mansfeld belagert. Die Bürger sind nicht bereit ihre Stadt kampflos zu übergeben. Der erste Angriff scheiterte; die Söldner ziehen zurück, weil sie mit Steinen beworfen und auf den Leitern mit Stichwaffen angegriffen wurden. Am nächsten Tag, bei grauendem Morgen, begann erneut der feindliche Sturm. Jetzt greifen die Gleiwitzer Männer und Frauen zu den legendären Abwehrmitteln - zur heißen Hirse, zum klebrigen Pech und stinkendem Schwefel. Damit ist der Kampf jedoch nicht entschieden worden. Mittags, in höchster Not, sieht man in den Wolken über der Stadt die heilige Maria mit dem Jesusknaben auf dem Arm. Weit breitet sie ihren blauen Mantel über der Stadt aus. Diese Erscheinung sehen die Verteidiger sowie die Belagerer, die dadurch bewegt die Belagerung aufgeben und den Rückzug antreten.


Gottesmutter
Das Muttergottesbild auf der Fahne der Allerheiligenkirche

In der folgenden Nacht, als die feindlichen Truppen außer Sicht waren, versammelten sich alle Bürger in der Allerheiligen-Kirche und gelobten als Dank eine Wallfahrt für ewiglich zur Schwarzen Madonna nach Tschenstochau. Schon im September 1626 pilgern dorthin 80 Gleiwitzer und hinterlassen eine Fahne mit dem Muttergottesbild. Das Gelöbnis wurde getreulich, obwohl mit Unterbrechungen, gehalten. Als die preußische Verwaltung in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts die Wallfahrten nach Tschenstochau verbat, wurde beschlossen: das Gelöbnis alljährlich auf dem St. Annaberg zu erfüllen. Gegenwärtig pilgern die Gleiwitzer sowohl auf den St. Annaberg als auch nach Tschenstochau. Die Gelöbniswallfahrt auf den St. Annaberg findet jedes Jahr in Rahmen der Feierlichkeiten zum Fest Mariä Himmelfahrt statt. In diesem Jahr werden die Pilger den fast 50 km langen Weg, der über Birkenau, Rudzinitz, Ujest und Leschnitz führt, nach dem Gottesdienst in den frühen Morgenstunden am 11. August antreten; am 14. geht's nach zwei erlebnisvollen Tagen - wörtlich zu Fuß - den gleichen Weg zum Ausgangspunkt in der Allerheiligen-Kirche zurück.
Ergänzend dürfte erwähnt werden, daß die wundervolle Erscheinung im Wappen, den Kaiser Ferdinand II der Stadt im Jahr 1629 als Dank verliehen hatte, festgehalten wurde.

Gerhard-Paul Fabian

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Der verschollene Ulan

Der Gleiwitzer Stadtpark – auch Promenade genannt – der sich zwischen der Mentzelstraße (ul.Sienkiewicza), Fabrikstraße (ul.Dubois) und Kreidelstraße (ul.Barlickiego) erstreckt, birgt so manches Geheimnis. In meinem letzten Beitrag habe ich über das nicht mehr bestehende Ehrenmal der gefallenen deutschen Soldaten aus der Zeit der napoleonischen Kriege geschrieben. Das war jedoch nicht das einzige Denkmal, welches den Park vor 1945 schmückte. In den zwanziger Jahren des XX. Jahrhunderts, an der Stelle wo sich heute das Frederic Chopin-Denkmal befindet, stand ein in Bronze gegossener deutscher Ulan. Der Reiter, mit einer langen Lanze, schaute in Richtung Fabrikstraße. Das Denkmal sollte die im Ersten Weltkrieg gefallenen Ulanen des 2. Schlesischen Katzler-Regiments, dessen Schwadron schon seit 1810 in Gleiwitz stationierte, ehren. Im Jahr 1819 ist Gleiwitz eine Garnisonstadt geworden und ein halbes Jahrhundert später wurden die Ulanenkasernen in der Teuchertstraße (heute ul. Zygmunta Starego) erbaut. Seitdem sind die deutschen Ulanen Mitbewohner der Stadt geworden. Die bunten Uniformen sowie die Phantasie der Soldaten weckten die Aufmerksamkeit der Gleiwitzerinnen. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg hatte man die alten Kasernen abgetragen und zugleich die Ulanen in neue, größere Räumlichkeiten an der Raudener Straße verlegt. Von den alten Gebäuden ist nur die lange Reithalle geblieben, welche noch vor dem Zweiten Weltkrieg, entsprechend adaptiert, dem Stadtarchiv übergeben wurde. In dieser Halle befindet sich heute der Sitz der Gleiwitzer Abteilung des Staatsarchivs in Kattowitz. Die Ulanen kehrten nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr in ihre Kasernen zurück. Aufgrund des Friedenvertrages von Versailles wurde diese Einheit aufgelöst; Gleiwitz hatte somit die Funktion einer Garnisonstadt verloren.

Ehemalige Soldaten des Katzler-Regiments hatten im Jahre 1923 die Idee eines Denkmals, welches die deutschen Ulanen ehren sollte. Die Stadtverwaltung kam diesem Gedanken entgegen, vor allen der Baudezernent Karl Schabik, der als Standpunkt fürs Denkmal den gern besuchten Stadtpark in der Nähe des Palmenhauses vorgeschlagen hatte. Die Skulptur, ein Werk von Professor Hans-Hubert Dietzsch- Sachsenhausen, wurde in Berlin erstellt. Die feierliche Enthüllung hat im Juni 1926 stattgefunden. Das Denkmal blieb auf seinem Sockel bis 1945.

Nach dem Einmarsch der Roten Armee, wurde der Reiter angeblich verschrottet. Mutmaßlich insbesondere, weil Bronze damals zu den defizitären Materialien in der Rüstungsindustrie zählte. Geblieben ist der Sockel, der jedoch vier Jahre später genutzt wurde, um Frederic Chopin (1810-1849) – den Patron des Parks seit 1945 – zu ehren. Im Jahre 1949, welches aufgrund der Initiative von Professor Zygmunt Mycielski, zum Chopin-Jahr erklärt worden war, beschloß die Stadtverwaltung, auf Anregung der Lehrer und Absolventen der Gleiwitzer Musikschule, dieses Ereignis entsprechend zu würdigen. Dementsprechend hatte man ein viereckiges Postament mit Plakette und Beschriftung auf den alten Sockel angebracht. Die ovale bronzene Plakette mit dem Profil des Komponisten hatte Jan Wysocki entworfen. Die Enthüllung des Denkmals am 17. Februar 1949 war um so feierlicher, weil das die erste errichtete polnische Chopin-Gedenkstätte nach dem Zweiten Weltkrieg war. Nach den feierlichen Reden spielten Schüler Chopins Polonaisen und Masurkas.

Jahre sind vergangen. Kaum jemand würde noch an den deutschen Ulanen denken, wenn nicht von Zeit zu Zeit ein Gerücht die Herzen und Gemüter der hiesigen Schatzsucher bewegen würde. Es wurde gemunkelt, daß das Denkmal nicht zerstört, sondern von den Gleiwitzern, noch vor dem Einmarsch der Roten Armee, vergraben wurde. Gruppen von Passionierten mühten sich in den achtziger Jahren bei der Suche nach dem bronzenen Reiter. Vergeblich. Die Erdarbeiten im Park sowie der Bau des neuen Palmenhauses bestätigten die traurige Wahrheit. Der Ulan bleibt verschollen. Die Legende vom versteckten Denkmal ist jedoch lebendig geblieben.

Marek Gabzdyl hatte in seinem Bildband „Gliwice wczoraj, Gleiwitz gestern“ diese Legende mit einem weiteren Gleiwitzer Monument, welches den Abschluß des Reichspräsidentenplatzes (heute Plac Pilsudskiego) bildete, verbunden. Auch dieses Denkmal – ein kniender Arbeiter - verschwand bevor die neuen Machthaber in die Stadt kamen. Es soll angeblich in der Nähe unter der Erdoberfläche liegen. Aber das ist schon ein ganz andere Geschichte.


Nach Boguslaw Tracz: „Zaginiony ulan”.
Gazeta Gliwicka vom 14.01.06.
Übersetzung: Gerhard-Paul Fabian

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