Gleiwitzer Kreis Gliwice i Gleiwitzer Kreis



Gliwice
 

  -  "Gleiwitzer Metamorphosen"
  -   Die Schrotholzkirche
  -   Der alte Friedhof auf der Coseler Straße



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"Gleiwitzer Metamorphosen"
mit anderen Worten "Gliwickie Metamorfozy"
Über eine Initative polnischer Menschen


Es ist ein erbauliches Unterfangen, welches seit gut sechs Jahren diese Gruppe beschäftigt. Nämlich die Geschichte unserer Heimatstadt, und im besonderen das Schicksal eines alten Friedhofes, des Hüttenfriedhofes. Er ist während der 45 Jahre nach dem Krieg beinahe verschwunden. Erst die letzten Jahre lassen hoffen, daß uns dieses Kulturdenkmal noch erhalten bleibt. Und einige Bilder, welche die Atmosphäre der Arbeiten am Friedhof etwas einfangen, finden wir am Ende dieser Zeilen.

Hier kommt diese Initiative selbst zu Worte:

Der Wirkungskreis der "Gleiwitzer Metamorphosen", einer Gesellschaft welche sich mit dem Kulturerbe von Gleiwitz befaßt.

Die Gesellschaft ist seit dem Jahre 2002 aktiv, anfangs als lose Volontärengruppe, später, von 2004 schon als eingetragener Verein. Seine hauptsächlichen, in der Satzung festgelegten Ziele, sind die Renovierung des Hüttenfriedhofs in Gleiwitz wie auch die Verbreitung der Geschichte von Stadt und Region.

Leider sind nur wenige materielle Bestandteile der erhabenen Vergangenheit des Hüttenfriedhofs erhalten geblieben. Unser Bestreben - neben Rekonstruktion und Renovierung - ist die Wiedererinnerung an, auf diesem Friedhof bestattete, und für die Entwicklung der Stadt verdienten Personen.

2005 wurde die Rekonstruktion des Grabmales von Theodor Kalide (dessen zertrümmerte Teile zum Glück überdauert hatten) von einer Konferenz: "Auf dem Hüttenfriedhof bestattete verdiente Gleiwitzer" begleitet. Ähnliche, bestimmten Teilen der Stadtgeschichte gewidmete, Konferenzen werden alljährlich organisiert.

Dank der seit 6 Jahren betriebenen Archivsuchen, konnten wir weitere Grabstellen identifizieren und Lebensläufe auch weniger bekannter Personen kennenlernen. Das Ergebnis dieser Arbeiten wurde in der in diesem Jahr herausgegebenen Monographie: "Der Hüttenfriedhof 1808 - 2008" festgehalten. Unsere Bemühungen fruchteten auch in der Eröffnung einer dem Hüttenfriedhof geweihten Ausstellung in den Räumen des Gießereimuseums Gleiwitz.

In den bisherigen Wirkungsjahren haben wir einen Großteil des Friedhofs gesäubert und geordnet, dabei aufgefundene Grabmäler wurden erneuert. Wir konnten auch eine feste Umfriedung des Friedhofs durch die Stadtverwaltung in die Wege leiten. Die Krönung dieser Aktivitäten ist die in diesem Jahr beendete Rekonstruktion des historischen Friedhofskreuzes.

Unser Wirken für die Verbreitung des Wissens um die Stadtgeschichte endet nicht bei Konferenzen, Publikationen und Ausstellungen. Wir organisieren auch während des ganzen Sommers Ausflüge: "Gleiwitzer Umgebung kennen lernen" - und übers ganze Jahr zahlreich (mit 100 und mehr Personen) frequentierte Studiengänge durch die Stadt. Damit das Erlebte sich auch besser einprägen kann, wird zu jedem dieser Ausflüge ein Themenprospekt bereitgestellt. Wir haben auch zwei Multimedia-Stadt- und Umgebungsführer erstellt. In der Schlußphase befinden sich die sogenannten "Hefte" - Hilfsmaterialien für Lehrer, welche Regionalunterricht erteilen. Verbreiter dieses Lehrmaterials ist die Bildungsabteilung der Stadt.
Malgorzata Malanowicz   2008
Übersetzung: KM



Und noch einige Bilder, welche die Stimmung nach der Arbeit, aber auch die Arbeitsresultate anschaulich machen:

Hüttenfriedhof


Hüttenfriedhof


Hüttenfriedhof


Hüttenfriedhof


Hüttenfriedhof



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Die Schrotholzkirche

Die polnische Kirchenzeitschrift "Gosc Niedzielny" brachte unlängst einen interessanten Bericht über die Einweihung der Holzkirche eines Gleiwitzer Baumeisters aus dem XV. Jahrhundert, die über vier Jahrhunderte in Niederschlesien (Zembowitz bei Rosenberg) stand, aber seit 1925 als Begräbniskapelle auf dem Gleiwitzer Zentralfriedhof diente. Dort verkam sie während der polnischen, volksrepublikanischen Zeit zur Ruine und wurde, weil einsturzgefährdet 1993 geschlossen. Daraufhin wurde sie zerlegt und jetzt auf einer neuen Stelle, dem Lapidarium auf dem ehemaligen alten Friedhof, Coseler Straße - renoviert und neu aufgebaut. Ins heutige Innere der Kirche während einer Tauffeier kann man hier blicken.
Ein interessanter Bericht, der eigentlich nur den Hinweis auf den deutschen Teil der Geschichte dieser Kirche vermissen läßt. Denn die ganze Berichterstattung ist in dieser Hinsicht leider einseitig aufgebaut. So, daß der unbedarfte Leser garnicht auf den Gedanken kommt, es mit einer Kirche tun zu haben, die eine lebendige, fast 500-jährige deutsche und eine fast 50-jährige in den Ruin führende, polnische Geschichte hinter sich hat. Zum Glück hat sich das jetzt geändert.

KM (2003)


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Die Massengräber des alten Friedhofes auf der Coseler Straße

Bei der Neugestaltung des Geländes des alten Friedhofes mußte sich die Stadtverwaltung auch mit den 1945er Massengräbern beschäftigen. In einem Aufruf in der Gleiwitzer Zeitung: "Nowiny Gliwickie" wandte man sich an Verwandte und Bekannte der dort begrabenen Kriegsopfer um über die weitere Vorgehensweise, die sterblichen Überreste dort zu belassen oder sie umzubetten, zu entscheiden. Wir schlossen uns diesem Aufruf in der hiesigen Heimatpresse an. Einerseits wollten wir unsere auf der Jahresversammlung 2000 des GK besprochene Initiative einer Gedenktafel/Gedenkkreuzes auf diesem Gelände verfolgen, anderseits den hier lebenden Angehörigen die Möglichkeit eines Mitwirkens bei dieser Entscheidung geben. So kam es zu weiteren Zuschriften an die Stadtverwaltung und auch den Gleiwitzer Kreis durch verschiedene Menschen aus der Bundesrepublik, in welchen eigentlich nur gegen eine Umbettung gestimmt wurde. So richteten auch wir unsere Bestrebungen auf die Aufstellung eines Mahnmales über den Massengräbern. Dann kam alles etwas anders als vorausgesehen. Die Stadt, eingebunden in orts- und landesübergreifende Vereinbarungen mit entsprechenden polnischen und deutschen Stellen (hier die Kriegsgräberfürsorge) erklärte alle Grabstätten, die nicht ausdrücklich von Familienangehörigen als Einzelgräber bezeichnet wurden, als Soldatenruhestätten und entledigte sich so eines großen Problems: Die sterblichen Überreste von ungefähr 500 Personen wurden auf den deutschen Kriegsgräberfriedhof in Laurahütte/Siemianowice übertragen. Somit gibt es in Gleiwitz nominell keine Massengräber mehr und der Umgestaltung dieses Geländes in einen Park mit anliegendem Lapidarium steht nichts mehr im Wege. Auch wir vom Gleiwitzer Kreis mußten uns den geschaffenen Fakten beugen, verfolgen aber umso intensiver unser Anliegen einer zweisprachigen Gedenkstätte in der Nähe der ehemaligen Massengräber, aber schon auf dem Gelände des inzwischen geschaffenen Lapidariums. Hier wurden symbolische Gräberfelder mit den wenigen* erhaltenen Grabsteinen erstellt, hier stehen die Reste einiger größerer Grabstätten , aber mit deutlichen Merkmalen der volksrepublikanischen, pietätlosen Politik und hier wurde auch das Umfeld für die renovierte Schrotholzkirche geschaffen. Aber das geschah schon nach dem Ende der Volksrepublik.
Vieles spricht dafür, daß wir unser Anliegen, die Erstellung eines Denkmals an die zivilen Opfer des Krieges im Jahre 2003 realisieren können.


*) Anmerkung: So wie fast überall in Schlesien stellten die Friedhöfe ein großes Reservoir an Baumaterial für Treppen, Gehsteige, Fußbodenplatten oder gebrochen für den Straßenunterbau dar (so in Gleiwitz die zur Grube führende Straße).
KM (2002)


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