Gleiwitzer Kreis Gliwice i Gleiwitzer Kreis



Gliwice
 

  -   Die fremde Heimat
  -   Eine Reise in die Vergangenheit
  -   "Gleiwitzer Metamorphosen"
  -   Die Schrotholzkirche
  -   Der alte Friedhof auf der Coseler Straße



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"Die fremde Heimat"
so beschreibt Ella Kassandra unsere Heimatstadt heute


Ja, 10 Jahre sind nach ihrem letzten Besuch in Gleiwitz vergangen.
Andere Gesichtspunkte, ein neuer Blickwinkel und nicht zuletzt das schlechte Wetter
hatten Einfluß auf die realitätsnahe Wahrnehmung der Änderungen in unser Heimatstadt. Unserer?
Noch unserer? Oder haben die fast 70 Jahre alle Bande mit ihr zerstört?
Hier jedenfalls finden wir die Gelegenheit uns in die alte Heimat zurück zu denken, Plätze anschauen, an Namen erinnern
.


Mein Ziel war es, wie bereits vor 10 Jahren, die Kuren in Bad Flinsberg mit Thermal-Rodon-Wasser, Massagen, Magnetfeld-Therapien, sehr gutem, gesundem schlesischem Essen, zu genießen. Es ist ein Jungbrunnen, der in jedem Alter nicht zu verachten ist. Außerdem werden Konzerte im Kurhaus geboten. Es können Ausflüge gebucht werden in die nähere und auch weitere Umgebung. Vor allen Dingen aber gibt es hier sehr freundliches Personal, das kompetent und deutschsprachig ist.

Die Häuser sind sehr gepflegt, was einem polnischen Heimkehrer zu verdanken ist. Pan B. war jahrelang in Schweden und ist vermutlich auch aus Heimweh zurückgekehrt. Er kaufte einige Häuser und mit Hilfe der EU-Förderung sind sehr schöne Objekte entstanden. Ein wenig Zuckerbäckerstil, aber durchaus der Gegend angepasst, restauriert und innen aufs Modernste ausgestattet. Als Gast fühlt man sich vom ersten Tag an wohl.

Im Parkhotel finden sich überwiegend Deutsche ein, die sich hier verwöhnen lassen. Ein Grund dürfte die Sprache sein. In den Geschäften spricht man deutsch, die Friseuse spricht deutsch, die nette Fußpflegerin ebenfalls. Man kann sich auch deutsch sprechend im Beauty-Laden runderneuern lassen. Die Bedienung in den Restaurants ist ebenfalls zweisprachig. Ein Eldorado für deutsche „Lebensgeschädigte“, d.h. Rücken, Gelenke, Magen, Nerven – all‘ diese Schäden, die ein Körper im Laufe eines Lebens erlitten hat, können hier zum Teil sehr gut behoben oder gelindert werden.

In der Umgebung gibt es sehr viel Schönes zu entdecken, das innerhalb einer Woche nicht zu bewältigen wäre. Leider hatte ich für diesen Aufenthalt nur eine Woche eingeplant, denn mein weiteres Ziel war es, meine alte Heimatstadt Gleiwitz zu besuchen.

Leider hatte der Wettergott nicht mitgespielt. Es regnete ununterbrochen. Unterwegs fing mein Auto an zu stottern. Und das mitten in der Pampa. Es war vermutlich nur ein Kontaktproblem, denn als ich kurz ausschaltete und nach einer Weile wieder startete, funktionierte alles normal. Aber der Schock saß ziemlich tief. Ich hätte keine Hilfe holen können, denn auch per Handy wäre nichts gegangen. Dazu sei gesagt, dass lediglich die Hauptstraßen gut gewartet werden. So ist die Autobahn Dresden - Breslau – Kattowitz Mautstrecke. Fährt man aber über Tschechen auf Landstraßen, beschleicht einen ein trostloses Gefühl. Teilweise sind die Häuser verlassen, die Straßen in äußerst schlechtem Zustand. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Sieht man ab und zu Menschen, dann scheinen sie niedergeschlagen und schicksalsergeben zu sein. Vermutlich ist jeder, dem es gelungen ist, in den Westen gegangen. Die Alten und die Kinder bleiben notgedrungen zurück.
Nur die Natur – diese breitet sich unversehrt aus. Wunderschöne, gesunde Wälder, satte Felder (wenn bebaut) geben ein wenig Hoffnung. Hier hat man kein Geld für Insektengifte oder Genmanipulationen. Biobauern könnten hier ein Eldorado vorfinden. Dazu gehört aber auch die entsprechende Infrastruktur und… natürlich Geld. Ich hatte viel Zeit, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Gegen 12.00 Uhr am Sonntag, kam ich in Gleiwitz an.
Die Hässlichkeit meiner Heimatstadt hat mich einfach umgehauen. Man verbaut alle Flächen, um ausreichend Wohnraum zu schaffen. Diese, in den letzten Jahren gebauten Häuser, sind geschmacklos und hässlich.
Zorn und Enttäuschung waren die vorherrschenden Gefühle, die sich meiner bemächtigten.
Ich suchte das Hotel Diamant auf der Ulica Zwyciestwa, (ehemals Wilhelmstraße) auf. Ich wählte es, weil das Haus noch alt und von architektonischem Charme ist. Leider war der Service miserabel. Bei strömendem Regen musste ich mein Auto ca. 150 m auf einem bewachten Parkplatz abstellen. Meine Reisetasche habe ich bei diesem Sauwetter mit Mühe bis zum Hotel getragen. Obwohl ein Restaurant avisiert worden war, konnte man erst am Abend etwas zum Essen bekommen. Ich hatte noch ein wenig Obst und beschloss Petersdorf, meinen Heimatort aufzusuchen. Meine erste Station sollte die ul. Dziewanny, früher Stefanstraße sein, in der wir einst gewohnt hatten. Es war ein Schock, sehen zu müssen, dass hier die Häuser verwahrlost, verschmutzt, besprüht sind, ungefähr so wie in Berlin-Kreuzberg. Keine Grünanlagen, nichts Schönes, woran der Mensch sich erfreuen könnte. Trostlos, hoffnungslos und verlassen ist dieses Petersdorf. Verlassen von uns Schlesiern, die es vielleicht zu einem schönen Stadtteil hätten machen können. Die von uns verlassenen Orte existieren nur noch in unserer Phantasie, in unsren Träumen.

„Festgemauert in der Erden“ steht die St. Bartholomäus-Kirche. Es fand gerade eine Messe statt. Es war erstaunlich, denn es war mittlerweile Nachmittag, 16.00 Uhr. Die Kirche war brechend voll, sogar im Vorraum saßen die Gläubigen auf den Steinbänken. Leise schlich ich ein wenig in das Kirchenschiff hinein und versuchte etwas zu empfinden, aber da war nichts. Ich empfand weder Trauer, noch Wehmut – nichts. Ja, es ist immer noch eine schöne Kirche, die noch viele Jahrhunderte stehen wird, aber hier gehöre ich nicht mehr hin. Hier bin ich eine Fremde.
Übrigens - das Pfarrhaus war das einzige, freundliche und hübsch gepflegte Haus in der ganzen Umgebung. Die Kirchen haben halt immer Geld...
Danach fuhr ich zum Friedhof. Es gab kein Hinweisschild und ich fuhr die Tosterstraße rauf und runter bis ich einfach eine Seitenstraße nahm, in der ich den Friedhof vermutete. Er lag ja immer an der Autobahn, die für uns seinerzeit Fahrradstrecke war. Es sollte einmal eine Verbindung nach – irgendwo im Westen sein?? Ich fand den Friedhof. Ein riesiges Blumenfeld. Ich schlich ungefähr eine Stunde über diesen Todesacker und fand keine bekannten Namen. Die Gräber meiner Familie waren vermutlich eingeebnet, da es viele Jahrzehnte her war, dass Verwandte und Bekannte hier beerdigt worden waren. Doch, zwei Nachbarehepaare fand ich noch. Eine Nachbarin, ehemals Schneidermeisterin. Ich war sehr stolz damals, als sie mir zum 18. Geburtstag ein Kleid nach Maß genäht hatte. Ich verließ den Friedhof, auch hier war ich fremd.
Einen weiteren Versuch startete ich, indem ich unser Waldbad aufsuchen wollte. Die Hinweisschilder waren wie überall, nicht ausreichend. Ich fuhr also mehrere Male die Straße rauf und runter, bis ich auf Verdacht in eine Anlage einbog und dort ein Hinweisschild zum Waldbad fand. Ich habe nicht mehr versucht dort hineinzugelangen. Die hoffnungslosen Versuche, meine alte Heimat zu finden haben mich restlos erschöpft. Ich gab endgültig auf und wollte nur noch zum Zentrum, um irgendwo etwas Essbares zu finden.

Ich machte also einen Bummel durch die leeren Straßen der Innenstadt. Es war Sonntag. Ich suchte auf der Hauptstraße ein Lokal in der Hoffnung, doch noch etwas zu essen zu bekommen. Auf der ulica Zwyciestwa (ehemals Wilhelmstraße) fand ich die Restauracja Polska. Es war ein ansprechendes Lokal und ich betrat den Raum. Es waren keine Gäste da. Ich wollte schon gehen, da kam eine hübsche junge Frau, die mich bat einzutreten. Auf meine Frage, ob ich hier noch etwas zu essen bekommen könnte, sagte sie „alez tak, bardzo prosze“ (aber ja doch, ich bitte sehr). Hier habe ich dann einen typisch polnischen Eintopf gegessen. Es war der beste Zurek, den ich jemals aß. Das Thema in diesem Restaurant hieß übrigens „Wesele“ (Hochzeit). Ich saß als einziger Gast an wunderschön geschmücktem Tisch auf einer Empore. Gegenüber konnte ich durch die Scheiben die Werbung der Kaufhäuser bewundern, ganz nach amerikanischem Stil. Ich kam mir vor, wie in einem Kafka-Roman. Irgendwie unwirklich war das Ganze. Allein in einem Hochzeitsraum, mit sentimentaler stimmungsvoller Musik, nahm ich Abschied von einer Zeit, die einst voller Hoffnung und Träume gewesen ist, die sich aber an diesem Ort nicht erfüllen konnten.

Die Orte der Kindheit und Jugend gibt es nur noch in unserer Fantasie. Für mich war es nun ein Abschied für immer. Irgendwann muss man loslassen. Ich hatte zwei Tage für Gleiwitz eingeplant, bin aber schon am zweiten Tag abgereist. Auch Dresden habe ich nicht mehr besucht. Es regnete und mit dem Regenschirm die Sehenswürdigkeiten Dresdens zu besuchen, lockte mich nicht besonders.

Meine lange Rückfahrt wurde zu einem meditativen Loslösungsprozess. Ich hatte ausreichend Zeit, diesen Besuch in meiner Heimatstadt Revue passieren zu lassen. Mir ist klar geworden: Wir können die Vergangenheit nicht zurückholen und was geschehen ist nicht ungeschehen machen. Wichtig ist, dass wir die Tatsachen akzeptieren.

Tatsache ist, Gleiwitz in Oberschlesien, wie wir es kannten, existiert nicht mehr. Es wird nur noch polnisch gesprochen oder englisch. Obwohl es bekannt ist, dass in den Schulen Deutschunterricht angeboten wird, spricht man bewusst kein Deutsch. Die Erfahrung aus Niederschlesien, wo tatsächlich noch viel Deutsch gesprochen wird, resultiert aus der Tatsache, dass es hier attraktive Kurorte gibt, die eine gute Einnahmequelle für die Bevölkerung sind.
In Oberschlesien hingegen befindet sich die Industrie, wie es immer schon gewesen ist. Die Menschen aus dem Osten strömen hierhin, um Arbeit und ein besseres Leben zu finden. Auch in Polen benötigt man etwas Zeit, um den Menschen ein ansprechendes Umfeld mit dem Sinn für Umweltschutz und architektonischer Schönheit einer Stadt bewusst zu machen. Irgendwann wird auch Gliwice eine schöne Stadt sein. Irgendwann…

Am späten Abend sah‘ ich die Lichter von Landsberg. Ich bin glücklich, diesen schönen Ort und damit auch eine Heimat gefunden zu haben. Letztendlich ist Heimat dort, wo die Menschen sind, die wir lieben.

[1] (Friedrich Schiller: Das Lied von der Glocke)

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"Oberschlesische Passion"
heißt das Werk von Ella Kassandra


Weil das Buch aber von einer Gleiwitzerin geschrieben wurde, und uns in die Vergangenheit,
die Nähere und die Weitere, versetzen kann - bringen wir hier einige Ausschnitte,
aber auch Gedanken, welche alle in Anlehnung an unsere Heimatstadt entstanden sind.
So schreibt Ella Kassandra:


Den Anstoß zu dieser Chronik gab die Einladung meines Sohnes, gemeinsam die Stätte meiner Jugend aufzusuchen. Sein Interesse an meiner Heimat löste in mir Verwunderung und leichtes Unbehagen aus. Lange, viel zu lange war es her, dass ich meine Heimat verlassen hatte, verlassen musste. ... Vermutlich waren meine Erinnerungen lediglich auf die schönen Erlebnisse meiner Jugend begrenzt, zu sehr idealisiert. Und nun – dieses Angebot. Meine Gefühle waren gemischt. Was würde uns erwarten? In welchem Licht würde mein Sohn meine Kindheit und Jugend sehen? Andererseits - vieles von dem, was ihm vermutlich in meinem Wesen fremd war, würde er besser verstehen…Wir würden ein für ihn völlig fremdes Land mit fremder Sprache, fremden Menschen vorfinden.

Im August 2003 habe ich das erste Mal nach 39 Jahren oberschlesischen Boden betreten. Über Nürnberg Richtung Dresden ging es nach Breslau. Die erste Überraschung war die Autobahn, die relativ gut ausgebaut war, deren Zubringer allerdings eher einer Landstraße glich. Der Grenzübergang war übersichtlich und gut ausgebaut, worauf mein Sohn der Meinung war, dass bereits mit dem Beitritt zur EU gerechnet werde.
Die Natur hier war, im Gegensatz zu dem, häufig durch Säureregen geschädigten, deutschen Wald, sehr gesund und üppig. Die ehemals deutschen Gebiete deuteten auf einen relativen Wohlstand hin. Die Häuser waren gepflegt. Hier und da tauchten Vertretungen deutscher Firmen auf.

...genossen das erste polnische Bier. Mein Sohn, der sich mittlerweile mit Bier gut auskannte, (wir leben in Bayern) kam fast ins Schwärmen. Ich erinnerte mich in diesem Zusammenhang an die Skobel-Brauerei in Gleiwitz.
Wir näherten uns dem Bahnhof von Gleiwitz und nun konnte ich meinen Sohn sicher in Richtung unseres ehemaligen Hauses lotsen. Wir erreichten die Stephanstraße, an deren Ecke sich die Rosen-Apotheke, heute ‚Apteka pod roza’, befindet. Leider sind die wunderschönen Magnolienbäume nicht mehr da. Sie standen links und rechts von der Apotheke und waren für uns die ersten Frühlingsboten. Die Blüten waren so wunderschön, dass man nicht einfach vorbei gehen konnte. Man musste sie erstmal bewundern.
Wir bogen also in die Stephanstraße ein und mich überkam das heulende Elend. Die Häuser sind klein und rußgeschwärzt. Die Ahornbäume, die am Straßenrand wachsen, sind der einzige Schmuck in dieser trostlosen Ecke. Die Anlagen gegenüber unseres Hauses, die den Menschen seinerzeit als Kleingärten dienten, sind verschwunden. Irgendwelche Werkstätten befinden sich hinter Zäunen. Mein Sohn wurde immer stiller. Er spürte meine Trauer. Hier habe ich mit meinen Eltern und Geschwistern bis zu meinem 21. Lebensjahr gelebt. Ich wusste nicht viel von der Welt, nicht wie andere Menschen lebten. Wir waren hier, in dieser trostlosen Ecke zufrieden. Ich frage mich, warum? Vermutlich, weil wir nichts Besseres kannten. Hier waren unsere Freunde und Familienangehörigen. Stimmt es also doch: ‚Heimat ist dort, wo die Menschen sind, die dich lieben’?

Wir fuhren dann in Richtung Siara1, also Großvaters Teich. Ich habe die Straße gefunden, konnte leider nicht den Teich entdecken. Es gab hier eine Kleingartenanlage. Es werkelten Leute in den Gärten. Ein Mann, den ich gefragt habe, wo denn der Teich wäre, sah’ mich an, als ob ich vom Mond käme. „Ich wohne hier seit dreißig Jahren und habe nie von einem Teich gehört“ antwortete er. ... Wir fuhren also zur Kirche, in der ich zur hl. Kommunion ging, im Kirchenchor sang. Hinter der Kirche hatte die Jugend zu meiner Zeit eine Mariengrotte gebaut. Es war gerade Maiandacht. Man sang polnisch und ich konnte die Lieder mitsingen. Ich schaute mich um – vielleicht ist noch ein bekanntes Gesicht zu entdecken? Aber es waren alles Fremde, die uns umgaben.
Hier nahm ich Abschied von der Heimat meiner Kindheit und Jugend. Andere Menschen leben jetzt hier und ich wünsche ihnen viel Glück. Mögen sie ihre Lieben, ihre Freunde, ein Leben lang in ihrer Nähe haben. Ich habe leider alle verloren. Irgendwo in der Welt.

Ich bin froh, meinen Sohn an meiner Seite zu haben. Er war mir Trost und Hilfe, allein durch seine Nähe. Er war die Brücke zu meiner jetzigen Heimat.





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"Gleiwitzer Metamorphosen"
mit anderen Worten "Gliwickie Metamorfozy"
Über eine Initative polnischer Menschen


Es ist ein erbauliches Unterfangen, welches seit gut sechs Jahren diese Gruppe beschäftigt. Nämlich die Geschichte unserer Heimatstadt, und im besonderen das Schicksal eines alten Friedhofes, des Hüttenfriedhofes. Er ist während der 45 Jahre nach dem Krieg beinahe verschwunden. Erst die letzten Jahre lassen hoffen, daß uns dieses Kulturdenkmal noch erhalten bleibt. Und einige Bilder, welche die Atmosphäre der Arbeiten am Friedhof etwas einfangen, finden wir am Ende dieser Zeilen.

Hier kommt diese Initiative selbst zu Worte:

Der Wirkungskreis der "Gleiwitzer Metamorphosen", einer Gesellschaft welche sich mit dem Kulturerbe von Gleiwitz befaßt.

Die Gesellschaft ist seit dem Jahre 2002 aktiv, anfangs als lose Volontärengruppe, später, von 2004 schon als eingetragener Verein. Seine hauptsächlichen, in der Satzung festgelegten Ziele, sind die Renovierung des Hüttenfriedhofs in Gleiwitz wie auch die Verbreitung der Geschichte von Stadt und Region.

Leider sind nur wenige materielle Bestandteile der erhabenen Vergangenheit des Hüttenfriedhofs erhalten geblieben. Unser Bestreben - neben Rekonstruktion und Renovierung - ist die Wiedererinnerung an, auf diesem Friedhof bestattete, und für die Entwicklung der Stadt verdienten Personen.

2005 wurde die Rekonstruktion des Grabmales von Theodor Kalide (dessen zertrümmerte Teile zum Glück überdauert hatten) von einer Konferenz: "Auf dem Hüttenfriedhof bestattete verdiente Gleiwitzer" begleitet. Ähnliche, bestimmten Teilen der Stadtgeschichte gewidmete, Konferenzen werden alljährlich organisiert.

Dank der seit 6 Jahren betriebenen Archivsuchen, konnten wir weitere Grabstellen identifizieren und Lebensläufe auch weniger bekannter Personen kennenlernen. Das Ergebnis dieser Arbeiten wurde in der in diesem Jahr herausgegebenen Monographie: "Der Hüttenfriedhof 1808 - 2008" festgehalten. Unsere Bemühungen fruchteten auch in der Eröffnung einer dem Hüttenfriedhof geweihten Ausstellung in den Räumen des Gießereimuseums Gleiwitz.

In den bisherigen Wirkungsjahren haben wir einen Großteil des Friedhofs gesäubert und geordnet, dabei aufgefundene Grabmäler wurden erneuert. Wir konnten auch eine feste Umfriedung des Friedhofs durch die Stadtverwaltung in die Wege leiten. Die Krönung dieser Aktivitäten ist die in diesem Jahr beendete Rekonstruktion des historischen Friedhofskreuzes.

Unser Wirken für die Verbreitung des Wissens um die Stadtgeschichte endet nicht bei Konferenzen, Publikationen und Ausstellungen. Wir organisieren auch während des ganzen Sommers Ausflüge: "Gleiwitzer Umgebung kennen lernen" - und übers ganze Jahr zahlreich (mit 100 und mehr Personen) frequentierte Studiengänge durch die Stadt. Damit das Erlebte sich auch besser einprägen kann, wird zu jedem dieser Ausflüge ein Themenprospekt bereitgestellt. Wir haben auch zwei Multimedia-Stadt- und Umgebungsführer erstellt. In der Schlußphase befinden sich die sogenannten "Hefte" - Hilfsmaterialien für Lehrer, welche Regionalunterricht erteilen. Verbreiter dieses Lehrmaterials ist die Bildungsabteilung der Stadt.
Malgorzata Malanowicz   2008
Übersetzung: KM



Und noch einige Bilder, welche die Stimmung nach der Arbeit, aber auch die Arbeitsresultate anschaulich machen:

Hüttenfriedhof


Hüttenfriedhof


Hüttenfriedhof


Hüttenfriedhof


Hüttenfriedhof



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Die Schrotholzkirche

Die polnische Kirchenzeitschrift "Gosc Niedzielny" brachte unlängst einen interessanten Bericht über die Einweihung der Holzkirche eines Gleiwitzer Baumeisters aus dem XV. Jahrhundert, die über vier Jahrhunderte in Niederschlesien (Zembowitz bei Rosenberg) stand, aber seit 1925 als Begräbniskapelle auf dem Gleiwitzer Zentralfriedhof diente. Dort verkam sie während der polnischen, volksrepublikanischen Zeit zur Ruine und wurde, weil einsturzgefährdet 1993 geschlossen. Daraufhin wurde sie zerlegt und jetzt auf einer neuen Stelle, dem Lapidarium auf dem ehemaligen alten Friedhof, Coseler Straße - renoviert und neu aufgebaut. Ins heutige Innere der Kirche während einer Tauffeier kann man hier blicken.
Ein interessanter Bericht, der eigentlich nur den Hinweis auf den deutschen Teil der Geschichte dieser Kirche vermissen läßt. Denn die ganze Berichterstattung ist in dieser Hinsicht leider einseitig aufgebaut. So, daß der unbedarfte Leser garnicht auf den Gedanken kommt, es mit einer Kirche tun zu haben, die eine lebendige, fast 500-jährige deutsche und eine fast 50-jährige in den Ruin führende, polnische Geschichte hinter sich hat. Zum Glück hat sich das jetzt geändert.

KM (2003)


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Die Massengräber des alten Friedhofes auf der Coseler Straße

Bei der Neugestaltung des Geländes des alten Friedhofes mußte sich die Stadtverwaltung auch mit den 1945er Massengräbern beschäftigen. In einem Aufruf in der Gleiwitzer Zeitung: "Nowiny Gliwickie" wandte man sich an Verwandte und Bekannte der dort begrabenen Kriegsopfer um über die weitere Vorgehensweise, die sterblichen Überreste dort zu belassen oder sie umzubetten, zu entscheiden. Wir schlossen uns diesem Aufruf in der hiesigen Heimatpresse an. Einerseits wollten wir unsere auf der Jahresversammlung 2000 des GK besprochene Initiative einer Gedenktafel/Gedenkkreuzes auf diesem Gelände verfolgen, anderseits den hier lebenden Angehörigen die Möglichkeit eines Mitwirkens bei dieser Entscheidung geben. So kam es zu weiteren Zuschriften an die Stadtverwaltung und auch den Gleiwitzer Kreis durch verschiedene Menschen aus der Bundesrepublik, in welchen eigentlich nur gegen eine Umbettung gestimmt wurde. So richteten auch wir unsere Bestrebungen auf die Aufstellung eines Mahnmales über den Massengräbern. Dann kam alles etwas anders als vorausgesehen. Die Stadt, eingebunden in orts- und landesübergreifende Vereinbarungen mit entsprechenden polnischen und deutschen Stellen (hier die Kriegsgräberfürsorge) erklärte alle Grabstätten, die nicht ausdrücklich von Familienangehörigen als Einzelgräber bezeichnet wurden, als Soldatenruhestätten und entledigte sich so eines großen Problems: Die sterblichen Überreste von ungefähr 500 Personen wurden auf den deutschen Kriegsgräberfriedhof in Laurahütte/Siemianowice übertragen. Somit gibt es in Gleiwitz nominell keine Massengräber mehr und der Umgestaltung dieses Geländes in einen Park mit anliegendem Lapidarium steht nichts mehr im Wege. Auch wir vom Gleiwitzer Kreis mußten uns den geschaffenen Fakten beugen, verfolgen aber umso intensiver unser Anliegen einer zweisprachigen Gedenkstätte in der Nähe der ehemaligen Massengräber, aber schon auf dem Gelände des inzwischen geschaffenen Lapidariums. Hier wurden symbolische Gräberfelder mit den wenigen* erhaltenen Grabsteinen erstellt, hier stehen die Reste einiger größerer Grabstätten , aber mit deutlichen Merkmalen der volksrepublikanischen, pietätlosen Politik und hier wurde auch das Umfeld für die renovierte Schrotholzkirche geschaffen. Aber das geschah schon nach dem Ende der Volksrepublik.
Vieles spricht dafür, daß wir unser Anliegen, die Erstellung eines Denkmals an die zivilen Opfer des Krieges im Jahre 2003 realisieren können.


*) Anmerkung: So wie fast überall in Schlesien stellten die Friedhöfe ein großes Reservoir an Baumaterial für Treppen, Gehsteige, Fußbodenplatten oder gebrochen für den Straßenunterbau dar (so in Gleiwitz die zur Grube führende Straße).
KM (2002)


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