Gleiwitzer Kreis

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Die Schmunzelecke




Wahrscheinlich kennen wir sie schon, die Witze welche hier zu lesen sind und etwas mit unserer Heimat zu tun haben.  -   (Oder auch nicht?)
Trotzdem lesen wir sie - und manchmal werden dabei Erinnerungen wach.
An die Jugend zum Beispiel, als wir uns gegenseitig mit immer neuen zu überraschen versuchten. Manchmal ganz dummen, selbst ausgedachten.

Gern wird an dieser Stelle auch an den  Netzwart eingesandter, eigener Humor veröffentlicht! Damit ich es nicht vergesse:
Ganz am Ende kann man einen etwas anderen Humor vorfinden, eine Anekdote und ein nicht ganz ernst gemeintes Rezept zur Bewältigung des Alltags.



Und hier also etwas heiteres, bekanntes oder doch unbekanntes, von den zwei Charakterfiguren Oberschlesiens, Antek und Franzek


Deutsche Sprache...
Antek trifft Franzek in Kattowitz. „Hallo, hab ich Dich schon lange nicht
mehr gesehen. Warst Du verreist?“ Franzek: „War ich gerade in Breslau. Ist
sich serr schöne Stadt. Hab ich auch gesehen Bischof. Ist sich vornehmer
Mann, serr vornehmer Mann. Sagt sich nicht Scheiße, sagt sich Heiliger Stuhl“.

Geld
Antek und Franzek wollen ihren Lohn in der Kaue der Zeche
abholen. Antek hat sich eine Vertrauensstelle verdient und darf den Kumpeln
das Geld auszahlen. Er beginnt vorzulesen: „Ziolkowski 350 Mark 80“. „Hier“.
„Kowalski 360 Mark 50“. „Hier“. „Lewandowski 370 Mark 90“. „Hier“. Er kommt
an das Ende der ersten Seite der Lohnliste. „Iiiiibertrach 3.400 Mark 10“.
Niemand meldet sich. Antek: „Komisch. Verdient sich Kerl das meiste Geld und
kommt nicht abholen“.

Eine Geste
Franzek braucht Geld..
"Antek, könntest du mir 200 Mark borgen?"
"Nee" - meint Antek nach einer kurzen Pause, hab nur 100 bei mir."
"Na, auch so gut" -  den zweiten Hunderter bleibst Du mir halt schuldig."

Eine gefährliche Frau
Franzek hat Probleme mit seiner Frau.
Verständnisvoll meint Antek: "Solltest ihr zeigen deine Zähne, Franzek".
"Hab ich das schon gemacht, Antek!" -
"Na, und jetzt?" -
Das war ein Fehler, jetzt fehlen mir drei!"

Ganz interessant
Antek zu seiner Sophie: "Komm, pack Koffer mit deinen Sachen. Wir gehen zu Elektrohaus Lewinski."
Marie: "Was soll das, was soll ich da, noch mit meinem Koffer?"
Antek: "Nu, lasse ich dich dort. Lewinski hat annonciert: 'Bei Kauf einer neuen Waschmaschine, nehme ich ihre Alte in Zahlung'!"

Immer in schlechter Gesellschaft
"Sie sind wohl nur in schlechter Gesellschaft gewesen, Angeklagter", konstatiert der Richter.
"Sie sind deswegen auch ein absolut verdorbener Mensch", schiebt er noch nach.
"Jawoll, bin ich das Herr Vorsitzender", sagt der Franzek einsichtig.
"Hab ich nämlich seit achzehntem Geburtstag nur mit Richtern zu tun gehabt."

Ist doch eine Verschwendung
Beim Karliner am Germaniaplatz in Gleiwitz trifft Franzek den Antek.
Franzek: "Schön, daß Du da bist! Darauf gebe ich einen aus - zum Essen und zum Trinken. Hier sind drei Mark, kaufen wir ordentlich Schnaps und für 10 Pfennig Semmeln."
Antek: "Warum so viel Semmeln?"

Beamtenbestechung
Antek hat seinen Freund Franzek lange nicht gesehen. Endlich trifft er ihn wieder.
Antek: "Wo warst Du gewesen so lange?"
Franzek: "War ich im Gefängnis."
Antek: "Im Gefängnis? Weswegen denn?"
Franzek: "Nu, wegen Beamtenbestechung."
Antek: "Du, wegen Beamtenbestechung? Glaubt Dir kein Mensch! Hast ja gar kein Geld!"
Franzek: "Ja, nicht mit Geld, mit Messer!"

Mißverständnis
Antek: "Möchte ich Fahrkarte auf Kattowitz."
Beamter: "Das heißt nicht auf Kattowitz, sondern nach Kattowitz, mein lieber Mann!"
Antek: "Nu, da geben Sie nach Kattowitz. Das kleine Stück laufe ich dann eben zurück!"

Das Erbe
Beim Sonntagsspaziergang trifft Antek den etwas kleinwüchsigen Franzek auf der Straße. Der paradiert da mit einem eleganten Spazierstock, welcher aber für ihn viel zu lang ist.
Deswegen sagt Antek: "Der ist doch etwas unbequem für dich, woher hast du ihn?"
"Von meinem Onkel, geerbt" - antwortet Franzek ganz stolz.
"Da würde ich ihn etwas kürzen" - meint der praktische Antek.
"Geht nicht" - bedauert Franzek, "dann hätte ich ihn nicht wo zu halten".
"Du sollst doch nicht den Griff abschneiden", meint sein Freund etwas befremdet: "Unten mußt du ihn kürzen."
"Was unten? Er ist doch oben zu lang!"  -  Beendet Franzek dieses Gespräch.




Wörtlich verstanden
Noch in der Volksschule.
Die Lehrerin erklärt an Beispielen, was Sprichwörter über menschliche Charaktereigenschaften aussagen.
So auch das bekannte: "Eigenlob stinkt, Fremdenlob klingt"
Da meldet sich Karl aufgeregt und auf seinen Banknachbarn zeigend:
"Der Fritz lobt sich jetzt schon wieder!"

Lesen sollte man können
In der Volksschule, die erste Klasse hat bald Ferien.
Der Schuldirektor begleitet dort den Visitator um die junge, hübsche Lehrerin zu beurteilen.
Sie kommen gegen Ende des Unterrichts und zwängen sich in die letzte Bank.
Die Lehrerin möchte zeigen, was ihre Schüler schon gelernt haben.
Sie schreibt einen Satz an die Tafel und fragt: "Wer kann mir das vorlesen?"
Stille. - Doch dann springt der kleine Bernhard aus der vorletzten Bank auf und rezitiert:
"Einen tollen Hintern hat die Lehrerin."
Die Lehrerin irritiert: "Falsch, wie kommst du darauf mir so etwas zu sagen?"
Der Kleine wendet sich halb weinend zu den älteren Herren:
"Wenn ihr auch nicht lesen könnt, warum sagt ihr mir dann vor?"

Der fürsorgliche Ehemann
Spricht zu seiner Frau.
"Schau, was für ein schönes Wetter. Man sieht halt, der Frühling ist da."
"Und du quälst Dich hier im Haus beim Fußbodenscheuern."
"Geh doch lieber an die frische Luft und wasche das Auto!"

Pflichtbewußt
Die Krankenschwester müht sich um einen Patienten.
Ein vorbeikommender Pfleger: "Was machen Sie denn da mit dem Patienten?"
Die Schwester: "Ich muss ihn doch wachkriegen, er hat auf seine Schlaftabletten vergessen!"

Stehen paar Jungen tuschelnd um einen sich in der Sonne räkelnden, mit bunten Tätowierungen versehenden, Obdachlosen herum.
Einer von ihnen, resoluterer als die anderen, spricht den Mann an: "Gehen diese Bilder beim Waschen nicht kaputt"?
Darauf der Obdachlose: "Junge, Junge, von wo soll ich das wissen"?

"Nun Otto, wolltest du dich demnächst nicht mit Petra verloben?"
"Daraus wird nichts mehr."
"Ja, wieso denn nicht? Konntest ihr doch von deinem reichen Erbonkel erzählen."
"Habe ich doch. Deswegen ist sie jetzt meine Tante!!!"

"Stell dir vor, Bruno ist gestern mit meiner Frau durchgebrannt."
"Das ist ein starkes Stück. Dachte ich doch, daß Bruno dein bester Freund ist?"
"Jetzt ist er es!"

Hubert trifft seinen Freund bei einem Glas Bier.
"Du, sag mal, du warst doch zur Erholung bei deiner Schwiegermutter, im Gebirge?"
"Ja", antwortet Hubert mit einem schiefen Gesichtsausdruck.
Worauf der Freund sich interessiert erkundigt: "Wie war es denn so?"
"Wenig herzlich" sagte Hubert sinnend darauf.
"Aber das Essen?" wollte der Freund wissen.
"Herzlich wenig" - war die monotone Antwort.

Zwei Freunde unterhalten sich beim Bier über intime Angelegenheiten:
"Ja, aber gestern sollte es doch interessant werden? Erzähl mal, wie ist denn der Krach mit deiner Frau ausgegangen?"
"Ha, auf den Knien kam sie doch angekrochen!"
"So, so - und was hat sie gesagt?"
"Ewig kannst du sowieso nicht unter dem Bett bleiben, du Feigling!..."

Ja, früher... Erzählte Opa.
Das Leben war viel billiger. Mutter gab mir 5 DM, damit ich einkaufe.
Und wirklich, nach einer Stunde war ich wieder daheim. Die Tasche voll mit Wurst, Marmelade, Butter und anderem Essenszeug.
Aber heute, ... überall die Spiegel, Kameras....

Der wissendurstige kleine Hugo möchte es wissen und fragt seinen Vater: "Sind denn Idioten große Tiere?"
"Aber nein" antwortet der, "es sind Menschen, solche wie du und ich."
"Was gab es denn gestern für einen Radau bei euch?" fragt der etwas neugierige Nachbar. "Um was ging es?"
"Eigentlich um nichts" ist die etwas unwillige Antwort. "Es ging nur um den Brief."
"Aha, vergessen abzuschicken."
"Nein, beseitigen."

Weitsicht
Die Verlobte strahlt:
"Wenn wir heiraten, werden wir drei Kinder haben!"
"Wie willst du das so genau wissen, Schätzchen?" - fragt der Bräutigam.
"Sie leben bis jetzt bei meiner Mutter".

Er hat schlechte Erfahrungen
Seine Ehefrau hat sich eine Perücke gekauft, trifft dann auf der Straße ihren Mann und fragt kokett:
"Na, mein Süßer, wie wäre es denn mit uns beiden?"
"Nee, Süße", sagt der nach kurzer Überlegung, "du erinnerst mich zu sehr an meine Frau."

Glück
Erzählt die Nachbarin:
"Mein Mann hat immer Glück! Gestern erst ließ er sich gegen Unfall versichern, und schon heute hat ihn ein Auto überfahren."

Der Finanzminister stellt einen Antrag und möchte vom Bundestag mehr Mittel für sein Ressort bewilligt haben: "Wir brauchen unbedingt zusätzliches Geld zur Finanzierung einer neuen Abteilung, welche Pläne für Sparmaßnahmen erarbeiten soll..."

Ernte
Es ist nach der Kartoffelernte. Nachdenklich steht der Kleinbauer vor den eingefahrenen Kartoffeln.
"Weißt Du", sagt er zu seinem nicht besonders hellen Knecht, "wir machen es so: Die eine Hälfte der Kartoffeln kommt in den Keller, die andere auf den Markt!"
Meint der Knecht: "Das gibt aber eine Heidenarbeit, all die Kartoffeln durchzuschneiden!"



Eine Anekdote von Paul Kania
Der Futschikokel

Futschikokel - Was ist denn das?

Wenn der Alois Tytka weniger Schnaps getrunken hätte, wäre er nicht vom Karussell gefallen. Er fiel aber. Und so schlug er sich eine schreckliche Beule am Kopf. Außerdem verlor er seinen neuen Hut. Die Sache war unangenehm. Was half es, daß der gute Hyazinth Foltek seinen zerschundenen Kumpan nach etlichen Anstrengungen endlich aufrichtete und aus der johlenden Menge expedierte, die Beule war da und der Hut war weg.
„Mach dir kein draus“, tröstete Hyazinth Foltek, „wird sich schon finden.“
„Pieronna, aber der Kopp! Wenn die Elsbietha mich sieht!“
„Ach, schmeiß drauf!“
Sie beschlossen, zum Kosubek in die Kneipe zu gehen. Zwecks Linderung des Schmerzes. Nachdem es ihnen gelungen war, mit vereinten Kräften die Stufen zur Kneipe hinaufzuklettern, setzten sie sich in eine Ecke.
„Damit man die Beule nich sieht“, meinte der Hyazinth. Dann bestellte er zwei Allasch. Doch Alois Tytka war nicht so bald zu beruhigen. Der Verlust seines Hutes ging ihm nicht aus dem Schädel. Also mußte sein Freund wiederum trösten:
„Siehste, Aloisik, wenn hättest gefolgt, da wär nich passiert. Wie du gingst auf Karussell, da hab ich dir ja gesagt: Verlier nich die Bulanxe! Aber du hast immer bloß das Fräulein gekitzelt, was auf dem Pferde is geritten. Und – ritsch, warste unten.“
„Das Weibstück hat mir gestoßen“, brummte der Tytka.
„Das is doch keine Sache nich. Was? Hm ... die Beule wie die Beule, aber der Hut, Faronna!“ –
Während sie so saßen und den ärgerlichen Wurm begossen, erscholl an der Kneipentür ein Krach. Eine Schar junger Leute kam lachend und lärmend herein. Sie riefen nach Alois Tytka. Unter ihnen Franz Kapusziok mit einem arg beschmutzten Hut in der Hand. Alois Tytka stürzte sich wutschnaubend auf den Eingetretenen.
„Her? den Hut! ... Jäsder, ganz be- kleistert ... Da haste den Hut in Dreck geschmissen...“
„Oho!“ sagte Franz Kapusziok, wobei er sich aufreckte und mit seiner Faust dem Aloisik derart vor der Nase herumfuchtelte, daß Hyazinth Foltek in banger Besorgnis eiligst die Gläser sowie die nächststehenden Stühle aus dem Wege räumte. Den Alois Tytka aber packte die Wut: „Was? Noch reizen willste mir? Hut haste gebracht. Wo is der Futschikokel?“ –
„Was für ein Ding?“ –
„Geklaut haste ihn, du Pieron!“
Es entspann sich eine feierliche Keilerei. Wer weiß, welches Ende sie genommen hätte, wenn nicht der robuste Budiker Kosubek die Streitenden an die frische Luft befördert hätte. Draußen nahm die Keilerei zwar ihren Fortgang, aber es war ihr keine lange Dauer beschieden.
Herr Krawutschke, seines Standes Polizist, brachte den erhitzten Gemütern eine kleine Abkühlung, indem er sie samt und sonders zur Polizeiwache geleitete.
Der Amtsvorsteher saß gerade auf der Veranda beim Kaffee, als unten
die wenig fromme Prozession anlangte. Er begab sich in die Kanzlei und rief den Wachtmeister zu sich.
„Na, Krawutschke, was ging denn da kaputt?“
„Melde gehorsamst, Herr Amtsvorsteher, wie ich in Erfahrung gebracht und festgestellt habe, ist ein Futschikokel gestohlen worden.“ –
„Ein Was?“ – „Ein Futschikokel, Herr Amtsvorsteher!“
„Was is denn das?“ – „Ich weiß nicht, Herr Amtsvorsteher.“ –
„Zurek, sehen Sie doch mal im Lexikon nach!“ – „Sofort, Herr Amtsvorsteher!“
Vom Schreibtisch in der Ecke der Kanzlei erhob sich eine hagere Gestalt. Der alte Amtsschreiber Zurek. Er stieg auf einen Stuhl, nahm vom Wandregal das Handlexikon herunter, setzte seine Brille auf, tupfte den Finger an die Zunge und blätterte:
„F ... Fu ... Fusel ... futsch ... futschi- kato ...?... hm – Futschikokel steht nicht drin, Herr Amtsvorsteher!“
Eben trat Frau Zurek, des Schreibers tugendsame Ehegesponsin, in die Kanzlei, grüßte den Vorsteher ehrerbietigst und wartete schüchtern an der Tür. – „Gut, daß Sie kommen, Frau Zurek! Wissen Sie, was ein Futschikokel ist?“
Die Frau machte ein unbeholfen- komisches Gesicht. Sie traute der Frage nicht. Schaute bald den Vorsteher, bald ihren Gatten verlegen lächelnd an.
„Allen Ernstes, Frau Zurek! Wissen Sie, was ein Futschikokel ist?“ –
„Ja, Herr Amtsvorsteher!“ – „Na, und?“ – Verschämt senkte die Frau ihren Blick. Bastelte an den Fransen ihres Umschlagtuches herum, öffnete die Tür und – draußen war sie.
Da mußte der Vorsteher laut auflachen. Indessen, als er bemerkte, daß auch Wachtmeister Krawutschke seinen Mund zu einem respektswidrigen Grinsen verzog, schlug er energisch auf den Tisch:
„Donnerwetter! Was ist mit diesem Futschikokel? Rufen Sie den Bestohlenen herein!“
Alois Tytka schwankte ins Zimmer.
„Herr A ... Amtsvorsteher, ich... ich bin ganz unschuldig“, stotterte er. –
„Ruhe! Reden Sie nur, wenn Sie gefragt werden! Sie heißen?“ –
„Ich heiße A ... Alois Tytka.“ –
„Ihnen ist da etwas gestohlen worden?“–
„Tjawoll, Herr Amtsvorsteher. Wie ich ... ich auf dem Karussell...“
„Was ist Ihnen gestohlen worden?“ –
„Der Futschikokel.“ –
„Was ist das?“ –
„Das is ... is so ... so ein – nu, so ein Futschikokel.“
„Himmeldonnerwetter! Das ist zum Verrücktwerden - Mann, Sie haben ja hier eine Beule. Wo haben Sie denn die geerbt?“ –
„Wie ich auf dem Karussell hab‘ gefahrn, da hab‘ ich die Bulanxe verlorn. Und da ... und da war Unfall, wo ham mir den Futschikokel gemopst. Da beim Kosubek in Lokalitäten, wo der Franz Kapusziok mir hat gebracht den Hut, noch dazu ganz bekleistert, hab‘ ich
mir gleich denken müssen, das war der Kapusziok, was hat den Futschikokel geklaut.“ – „Krawutschke -, da war wohl gar eine Schlägerei?“
„Jawohl, Herr Amtsvorsteher!“
Zitternd wie Espenlaub, zerknirscht, scheuen Blickes, schurrte Hyazinth Foltek in die Kanzlei. Er sah aus wie ein Affe, der Kleister kaut.“
„Ihr Name?“ –
„Hyazinth Foltek, wohnhaft Grenzstraße Nr. 28 im Hinterhaus rechts, Wagenstößer auf Andreasflöz ...“ –
„Gut, Herr Foltek. Erzählen Sie, was sich in der Kosubekschen Kneipe ereignete! Sie waren zugegen, als die Keilerei im Gange war.“
„Nein ... im Gange war ja nich. Das war zuerst in Schankstube und dann auf Treppe draußen.“ –
„Na ja! Also es war da eine Schlägerei?“ –
„Nein, Herr Amtsvorsteher! Schlägerei, da war nich. Der Franzek hat bloß den Aloisik geflastert, und da hat der Aloisik wieder den Franzek geflastert. Aber sonst warn ja gemütlich.“
„Donnerwetter!“ –
„Nu ja, etwas hat der Franzek geblutet. Das schadt nischt. Weil er hat den Futschikokel gestohlen.“ –
„Wissen Sie, was ein Futschikokel ist?“ –
„So ein ... so ein ... wie soll ich sagen ...?“ –
„Krawutschke, bringen Sie den Beschuldigten herein!“ –
„Jawohl, Herr Amtsvorsteher!“ Der Delinquent erschien. –
„Sie heißen Franz Kapusziok. Werden beschuldigt, dem Tytka einen Futschikokel
gestohlen zu haben. Was haben Sie darauf zu erwidern?“ –
„Herr Amtsvorsteher, ich weiß von nischt. Der Tytka, das is ein Tuleja. Anstatt mir zu danken, daß ich ihm seinen Hut aus der Lusche zog, da rempelt er mich in der Kneipe vor allen Leuten an. Brauchste nich gefallen zu lassen, hab ich mir gleich gedacht und latschte ihm eine runter. Ich hab‘ noch nischt gestohlen im Leben. Ausgerechnet auf seinen Futschikokel werde ich scharf haben? So ein Mottenkopp! Weiß ich überhaupt, was er meint mit seinem verdrehten Futschikokel...?“ –
„Piernika!“ rief da der Alois Tytka plötzlich, und er strahlte übers ganze Gesicht dabei.
„Herr Amtsvorsteher, hier is ja der Futschikokel. Jäsder, in Tasche hab‘ ich gehabt.“ –
Sprach‘s und zeigte erfreut einen kleinen Gemsbart, wie er oft als besonderer Schmuck an den Hüten getragen wird.
„Rrraus!“ brüllte da nur noch der Amtsvorsteher.




Ein Rezept für's ganze Jahr
Man nehme 12 Monate, putze sie ganz sauber von aller Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und Angst,
zerlege jeden Monat in 30 oder 31 Teile,
so daß der Vorrat fürs ganze Jahr reicht.
Jetzt wird jedes Teil einzeln angerichtet
aus einem Teil Arbeit und zwei Teilen Frohsinn und Humor.
Man füge drei gehäufte Eßlöffel Optimismus hinzu,
einen Teelöffel Toleranz, ein Körnchen Ironie und eine Prise Takt.
Dann wird die ganze Masse sehr reichlich mit Freundlichkeit übergossen.
Das fertige Gericht schmücke man mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten
und serviere es dann täglich mit Heiterkeit.

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