Zur Einstimmung ein kleines Gedicht von Heinz Olesch
Nette Erinnerungen werden wach...
Ein Wort gibt das andere – und
die Heimat
Reist man in deutschen Landen,
wird man überall verstanden,
wenn man schlichtweg hochdeutsch
spricht;
manch Wort jedoch versteht man nicht
in Gegenden, wer will`s bestreiten,
mit sprachlichen Besonderheiten.
So gab`s in unserem Heimatland
auch Worte die nur uns bekannt.
Kohlrabi ist`ne Oberrübe,
wer Dresche kriegt, der bekommt Hiebe,
Welschkraut ist Wirsing, wie man weiß,
wer kaschelt, der rutscht übers
Eis,
Haderlok ist ein Lumpensammler,
ein Hacher ist ein halber Gammler.
Mit Gutalin putzt man die Schuhe,
die Potschen bring`n den Füßen
Ruhe.
Babe ist Kuchen, Brinkel sind Krümmel,
ein Pampoin ist ein richt`ger Lümmel.
Wer schlafen will braucht `ne Zudecke,
ein Reißbrettstift heißt bei uns
Zwecke,
ein Behm ist ein 10-Pfennig-Stück,
auf Buxliks hat der Lehrer Spick,
Gallert, das ist schöne Sülze,
kriegt sie Haue, ja dann brüllt
sie.
Lusche ist`ne Wasserpfütze,
wer sportlich ist, trägt
Schiebermütze.
Mit Stürzen deckt man Töpfe
ab,
den Motscher bringt gar nichts auf
Trab,
spiekige Bojkes sind etwas zum Lachen,
der Schmodder trägt dreckige
Sachen,
Laberaffen labern was einmal da mehr.
Dem Tetka geht wirklich alles verquer.
Jesder Kuschik – du meine Güte,
ein Demlak ist `ne doofe Tüte,
pschinzo – das haste dir wohl
gedacht,
wer tschiupt, hat ein Tauschgeschäft
gemacht.
Klacken sind Wasserrüben,
Säuglinge sehr den Nuppel lieben.
Mit tschiepperle, tschip, tschip lockt
man die Hühner,
Pamufl machen keine Diener
Pichl er so viel Sobtziks aus der
Pulle,
kommt sie gleich mit der Nudelkulle,
`ne Krause ist ein Einmachglas,
Wichse auf den Toches ist kein Spaß.
Pullen geht man stets allein,
Krupniok, das ist die Wurst vom
Schwein.
Der Dupa ist zu gar nichts nutz.
Wer pumpst, kennt nichts vom
Umweltschutz.
Fuschikokel besagt alles
außer Denver oder Dallas.
Noch manches Wort` könnt ich
zitieren,
doch würde viel zu weit es führen.
Ein Wort nenn`ich jetzt noch zum
Schluß,
weil ich es einfach nennen muß.
Es drückt, ob hitzig, ob mit
Kühle,
aus der Palette der Gefühle:
Anerkennung, Tadel, Lob,
sanft und freundlich, wütend,
grob.
Dieses Wort vergeß ich nimmer:
Pjeron, pjerunje – es paßt
immer.
Eigentlich sprach man in Gleiwitz Hochdeutsch!
Oder etwa nicht?
....aber mit einem zusätzlichen Vokabelschatz:
so klangvoll - so heimatlich - so einprägsam - fast nicht übersetzbar!
Zur Zeit fallen mir aus Kindertagen diese (winterlichen) Sprachfetzen ein:
Auf der Kaschel
Och, es schneit! Was einmal da mehr!
Komm, wir gehen kascheln!
Ja, hast Du auch Schuhe mit Zwecken?
Gib dir Obacht! Jetzt komme ich!
Schups mich nur nicht um!
Jez mache ich schupupo.
Jäsdäkusche, meine Hantschkes sind klatschnaß!
Jessas, das war ja eine Lusche!
Komm nächstens eher! Wenn die Finsterkeit kommt
und die Laternen angehen, müssen wir wieder zu Hause sein
- sonst gibt es Dresche!
Auf der Eisbahn im Wilhelmspark
Borg mir mal die Leijer!
Kuck, der Dickus kann einen Flieger!
Sollen wir zusammen eine Kanone probieren?
Das war aber kriwatschlich!
Ja, so wie beim Semmelbacken.
Geh'n wir in die Bude zum Aufwärmen - da ist ein Kanonek!
Ich hab einen Behm auf ein Glas Milch.
Ich hätte jez Zips auf einen Krupniok.
Zu Hause gibt es bestimmt Be-Schnitten! - oder Häckerle.
Ich freue mich schon auf meine warmen Pootschen!
...und ich auf Mamma!
Magda Roggel