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Zwei Kurzbiographien:

Unsere Mitglieder


Unter dieser Überschrift möchten wir hier zwei Honorarmitglieder unseres Vereines vorstellen. Im Alltag nennen wir sie zwar Ehrenmitglieder - doch warum sollten sie zu diesem festlichen Anlaß mal nicht anders heißen? Der eine von ihnen (beide sind Männer) hilft uns in Polen, der andere reist meistens durch die Republik und liefert uns Bilder von allen für uns interessanten Veranstaltungen. Jetzt wissen es schon alle, wen wir hier etwas näher kennen lernen.


Jurek Wyganowski ist heute 67 Jahre alt und das Beispiel eines Menschen, wie wir uns ihn in Polen nur wünschen können. Seit der "Geburt" des Gleiwitzer Kreises ist er praktisch dabei, der einzige und dabei immer hilfsbereite Pole in unserer Mitte. Seine Wiege stand in Vilnius (Wilna) der Haupstadt Litauens. Als junger Mensch stand er den Deutschen zumindest kritisch gegenüber (wir erinnern uns an die offizielle Politik der Volksrepublik), doch mit der Zeit wandelte sich seine Gesinnung, über Gleichgültigkeit hin zur Sympathie für die "Autochthonen", die Einheimischen. Wie es halt im Leben eines Menschen ist: bestimmte Einsichten kommen mit dem Alter. So erkannte auch er, daß die Stadt in der er lebte, die Häuser und das Land ihre Geschichte haben, in der das Deutsche eine wichtige Rolle spielt. So wurde ihm, dem geborenen sozialen Aktivisten, die Zusammenarbeit mit unserem - auch zum Wohle der Stadt agierenden - Verein, ein Herzensanliegen.
J.W.

Wir kennen ihn als immer hilfsbereiten, unsere Interessen vertretenden Menschen, welcher sich mit deutschen Gästen in Gleiwitz befaßt, er hilft bei der Organisation von Ausflügen und Besuchen - er ist einfach unser Ansprechspartner in der alten Heimat. So war und ist es auch rund um "unser" Denkmal auf dem alten Coseler Friedhof, welches er in der Entstehungsphase mit uns begleitete und jetzt systematisch betreut. Sein Walten und sein ganzer Lebenslauf wurden unlängst in der Zeitung "Nowiny Gliwickie" in einem längeren Artikel gewürdigt.





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Gerhard Schyma, welchen wir alle mit dem Photoapparat in Verbindung bringen. Doch bei ihm fing es auch etwas anders an. 1935 geboren - natürlich in Gleiwitz - schlidderte er 10 Jahre später in die sehr schwere Nachkriegszeit, in der zu Hause bittere Not herrschte. Das Problem für ihn, als Halbwaisen, hieß Essen. Mit Gelegenheitsarbeiten versuchte er dem entgegen zu treten. Dann, 5 Jahre später, kam zwar mit der Berufsschule auch etwas Geld ins Haus, aber für ihn gleichzeitig auch die Arbeit unter Tage. Den Militärdienst leistete er in einem Arbeitsbataillon, natürlich auch unter Tage ab. So war es damals in der Volksrepublik üblich: ein Oberschlesier, mit deutschem Namen, mit Bergbauerfahrung, mußte den Sozialismus mit seiner Arbeit bauen.

G.Sch.

Nun, aber auch für unseren Gerhard kamen später etwas bessere Zeiten: die Arbeit in einem normalen Betrieb, eine normale Wohnung und eine liebende Frau. In jener Zeit, mit dem ersparten Geld, erfüllte er sich einen Traum. Er kaufte eine Kamera und legte den Grundstein für seine spätere Leidenschaft: photographieren, entwickeln und immer neue Motive finden. Als er in den siebziger Jahren nach langen Mühen endlich in Deutschland war, konnte er seinem Steckenpferd freien Lauf lassen. Ein bedeutender Motivekomplex kam hinzu: die alte Heimat mit all ihren Facetten. Heute ist Gerhard nicht nur für uns ein dokumentierendes Bindeglied zur Heimat, er wurde mit seinem Apparat auch eine Stütze der Heimatblätter in Deutschland.


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Die Jahre vergehen...   So möchten wir heute, im Sommer 2010, unseren Gerhard noch einmal vorstellen, diesmal als glücklichen Opa.
Wir gratulieren!




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Das Jubiläum des Jahres 2006:

Ein Lebenslauf mit oberschlesischen Wurzeln

Magda Roggel wurde 80 Jahre
- Eine engagierte Gleiwitzerin -


Magda Roggel


Am 20. Juli 1926 wurde Magda Roggel in Gleiwitz als älteste Tochter des Lehrers Edmund Pietryga und seiner Ehefrau Marta geb. Poganiuch geboren und wuchs mit ihren Geschwistern Johannes und Ruth in einem engagiert katholischen Umfeld auf, welches dem Nationalsozialismus kritisch gegenüberstand.

Recht früh förderten die Eltern ihre musikalischen und sportlichen Fähigkeiten, so daß sie später als Mitglied im „Gleiwitzer Eislauf- und Rollsportverein“ an mehreren Lehrgängen, Meisterschaften und allgemeinen Sportveranstaltungen an verschiedenen Austragungsorten in Ober- und Niederschlesien teilnehmen durfte. Auf diese Weise lernte sie die weitere Umgebung ihrer Heimatstadt kennen.

Ihr organisatorisches Talent hatte sich wohl schon während der Schulzeit auf dem Eichendorff Lyzeum als Klassensprecherin gezeigt und – 45 Jahre später – beim Durchführen von Klassentreffen mit ehemaligen Mitschülerinnen nochmals bestätigt.

Gerade dieser Schuljahrgang hat die Folgen des Krieges hart zu spüren bekommen, da statt des vorgesehenen Abiturs im April 1945 mitten im Schuljahr eine überraschende Einberufung zum Reichsarbeitsdienst (RAD) am 14. November 1944 erfolgte, mit dem mündlichen Versprechen einer Aushändigung der Reifezeugnisse „zur gegebenen Zeit“. Erst im März 1947 bestand für Magda Roggel die Möglichkeit, das Abitur in Ahlen/Westfalen zu erlangen.

Vor dem Einmarsch der Roten Armee ist das RAD-Lager aus dem Warthegau nach Hessen verlegt worden, wo die Mädchen im Heeresmunitionslager der Wehrmacht unterstellt wurden. Zu Ostern 1945 werden die Mädchen „nach Hause“ entlassen. Aufregende Erlebnisse kennzeichnen den Zeitabschnitt bis zum glücklichen Wiederfinden der Familie am 26. Juli 1945 im Glatzer Bergland. Dort, in Neißbach bei Mittelwalde, wird die Familie die nächsten zwölf Monate verbringen. Am 14. August 1946 folgt die Vertreibung mit einem geschlossenen Transport nach Neubeckum in Westfalen.

Magda Roggel beginnt zum Wintersemester 1948 ihr Studium an der Pädagogischen Akademie in Bonn. Mit beiden Examina fürs Lehramt an Volks- und Hauptschulen war Magda Roggel von April 1951 bis zur Pensionierung 1986 im Schuldienst in Bonn, Siegburg und Köln tätig.

Ihren Ehemann, Dipl.rer.pol. Johannes Roggel hat sie während der Bonner Zeit kennengelernt. Sohn Thomas, Schwiegertochter und 3 Enkeltöchter leben in Mainz. Magda Roggel ist nach dem Tod ihres Mannes in Köln geblieben, wo sie gerne wohnt.


Am 19. März 2000 übernahm Magda Roggel die Funktion der 1. Vorsitzenden des Gleiwitzer Kreises. Unter ihrer Führung, auf den bisherigen Erfolgen basierend, wurde die Präsenz des Vereins in der Stadt Gleiwitz wesentlich erweitert. Dortige Persönlichkeiten empfinden den Gleiwitzer Kreis als Vertretung der Gleiwitzer in der Bundesrepublik Deutschland. In dieser Funktion wurde Magda Roggel zu den Feierlichkeiten anläßlich des 750-jährigen Jubiläums der Stadtgründung vom Präsidenten der Stadt Gleiwitz, Professor Frankiewicz, eingeladen; in der Burg Tost, wo die Feierlichkeit zelebriert wurde, hielt auch sie eine Ansprache.

Sie wurde ebenfalls zur Teilnahme an der Podiumsdiskussion anläßlich des 15. Todestages von Horst Bienek am 2. Dezember 2005 im Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit eingeladen, was sie auch nutzte, um für eine gemeinsame deutsch-polnische Erinnerung und zukunftweisende Reflexion zu werben. Einen Tag danach konnte sie mit Genugtuung an der Enthüllung des Denkmals für die zivilen Gleiwitzer Opfer der Januartage 1945 am Coseler Friedhof teilnehmen; konsequente langjährige Bemühungen des Gleiwitzer Kreises um die Erstellung des Denkmals wurden somit positiv abgeschlossen.

Magda Roggel organisierte und führte persönlich sechs Studienreisen für Gleiwitzinteressierte nach Gleiwitz und Umgebung durch – Reisen mit sehr anspruchsvollen Inhalten und großem Erfolg.
Alljährlich wird dabei ein Deutscher Freundschaftskreis aus der Gleiwitzer Umgebung besucht.

Ihr Engagement für Gleiwitz läßt sich auch aus dem aktiven Mitwirken bei allen Heimattreffen - sei es Bottrop, Essen oder Rheinberg – erkennen.

Unter ihrer Führung ist der Gleiwitzer Kreis organisatorisch gestärkt worden und zugleich entsprechend vorbereitet, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen.

Ihrer geschätzten Vorsitzenden gratulieren zum Geburtstag und wünschen von Herzen das Allerbeste für die kommende Zeit: gute Gesundheit, Glück, Freude, Erfolg und jede Menge Energie für noch viele Gleiwitzreisen

                         alle Freunde und Mitglieder des Gleiwitzer Kreises




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